Vermögensverwalter mit mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-Aktien müssen innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende ein sogenanntes 13F-Formular einreichen, in dem ihre Beteiligungen an US-Börsen gehandelten Aktien offengelegt werden.
Die neuesten Transaktionen deuten darauf hin, dass die reichsten Investoren der Welt ihre Portfolios angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen neu ausrichten. Spannungen, die vor allem durch die anhaltende Umgestaltung der Weltordnung durch US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit Grönland, Venezuela und zuletzt Iran getrieben werden.
Solarenergie und Lateinamerika
Stanley Druckenmillers Duquesne Family Office erhöhte sein Engagement in zwei lateinamerikanischen Energieunternehmen: Es baute eine Beteiligung von mehr als 127 Millionen US-Dollar am argentinischen Öl- und Gasproduzenten YPF SA auf und eröffnete zudem eine neue Position bei Mexikos Vista Energy SAB. Die American Depositary Receipts (ADRs) beider Unternehmen werden an der New Yorker Börse gehandelt.
Ein Family Office eines Teils der Dynastie hinter dem Verpackungsriesen Tetra Pak verdoppelte im Quartal bis zum 31. März seine Bestände an US-Energieaktien und kaufte Beteiligungen an Unternehmen wie dem Ölraffineriebetreiber Marathon Petroleum sowie dem Flüssigerdgas-Produzenten Cheniere Energy, wie aus der 13F-Meldung hervorgeht.
Auch Soros Fund Management, das Investmentvehikel des Milliardärs George Soros, eröffnete neue Positionen in fünf Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, davon vier mit Schwerpunkt Solarenergie, darunter T1 Energy Inc. und Array Technologies, wie aus den Unterlagen hervorgeht.
Die in den Meldungen genannten Unternehmen verzeichneten laut von Bloomberg zusammengestellten Daten im ersten Quartal Kursanstiege von bis zu 55 Prozent und entwickelten sich damit entgegen dem Rückgang des Referenzindex S&P 500 im selben Zeitraum.
Zu den weiteren Family Offices, die im Quartal ihre Energieinvestitionen ausgebaut haben, gehört auch die Firma der milliardenschweren Moreira-Salles-Dynastie hinter einer der grössten Banken Lateinamerikas, Itau Unibanco Holding SA. Deren BW Gestao de Investimentos kaufte Beteiligungen an fast einem Dutzend Öl- und Gasunternehmen und investierte zugleich in das Solarenergieunternehmen Solv Energy.
Die Investmentfirma der Familie des Finanziers Joseph Gruss wiederum erwarb Anteile an Expand Energy, einem der grössten US-Erdgasproduzenten, sowie am Konkurrenten EQT, an dem die Moreira-Salles-Dynastie bereits beteiligt ist, wie aus den Unterlagen hervorgeht.
Eine «sich wandelnde» Welt
Die Reichen erhöhen zudem ihre Investitionen in Rüstungsaktien und Metalle, die in diesem Jahr aufgrund globaler Handelsstörungen und der Flucht von Anlegern in sichere Anlagen stark gestiegen sind. Einige profitieren bereits von den Schwankungen der Rohstoffpreise, darunter Carlos Slim, Mexikos reichster Mensch.
«Family Offices müssen sich nun intensiver mit Rohstoffen auseinandersetzen», sagte Gilles Erulin, Gründer und CEO der in London ansässigen Beratungsfirma Westwick Melrose & Cromwell. «Früher machten sie keinen grossen Teil ihrer typischen Portfolios aus, aber die Welt verändert sich jetzt.»
Gina Rinehart, die reichste Australierin mit 43,8 Milliarden US-Dollar Vermögen, kaufte im ersten Quartal dieses Jahres Aktien von RTX, Northrop Grumman, L3Harris Technologies und Lockheed Martin, die laut einer regulatorischen Meldung zum 31. März zusammen einen Wert von 97 Millionen US-Dollar hatten.
Zudem erhöhte ihre privat gehaltene Hancock Prospecting die Beteiligung an Hudbay Minerals um 1,35 Millionen Aktien und nahm eine Position bei Newmont auf. Diese Beteiligungen sowie die Anteile des Unternehmens an den Bergbaukonzernen Teck Resources und MP Materials machen laut Berechnungen von Bloomberg zusammen fast die Hälfte des rund 3,3 Milliarden US-Dollar schweren Aktienportfolios von Hancock aus.
Hancock Prospecting kaufte rund 1,2 Millionen Aktien von Rare Earths Americas und sicherte sich damit laut einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC aus der vergangenen Woche einen Anteil von 6 Prozent an dem neu börsennotierten US-Bergbauunternehmen, das etwa 34 Millionen US-Dollar wert ist.
(cash/Bloomberg)
