Strothotte, der Glencore von 1993 bis 2001 leitete, nachdem er den Branchenpionier Marc Rich aus dem von ihm gegründeten Unternehmen übernommen hatte, war bekannt für sein Talent, Geschäftspartner weltweit zu gewinnen. So knüpfte er beispielsweise auf einer Bärenjagd in Sibirien enge Kontakte zu einem russischen Aluminiummagnaten.
In einer Erklärung teilte Glencore mit: «Mit tiefer Trauer nehmen wir den Tod von Willy Strothotte zur Kenntnis. Als CEO und später als Chairman von Glencore hat er das Unternehmen grundlegend verändert. Wir sprechen seiner Familie und seinen Angehörigen unser aufrichtiges Beileid aus.»
Der 1944 geborene Strothotte begann seine Karriere im Rohstoffhandel ganz unten als Lehrling bei der deutschen Firma Frank & Schulte. 1978 wechselte er zu Marc Rich + Co, als das Unternehmen von den hohen Gewinnen aus der Ölkrise profitierte. In den 1980er Jahren leitete er die New Yorker Tochtergesellschaft des Konzerns, während Rich auf der Flucht vor der US-Justiz war. Doch erst seine Rolle bei Richs Ausscheiden aus dem von ihm gegründeten Unternehmen machte Strothotte zu einer Schlüsselfigur in der Geschichte des Rohstoffhandels.
Anfang der 1990er Jahre wurde Rich zunehmend unberechenbar und stürzte das Handelshaus in einen verhängnisvollen Versuch, den Zinkmarkt zu beherrschen. 1993 führte Strothotte - der das Unternehmen im Sommer zuvor nach einem Streit mit Rich verlassen hatte - eine Gruppe unzufriedener Händler an, die Rich zum Rücktritt und zur Übergabe der Kontrolle überredeten. Es war der grösste Erfolg seiner Karriere.
Strothotte wurde Vorstandsvorsitzender und einer der Hauptaktionäre des Unternehmens, das in Glencore umbenannt wurde. Der gewinnende und staatsmännische Mann verkörperte eine Botschafterrolle an der Spitze des damals weltweit führenden Rohstoffhandelshauses. Er sprach fliessend ein halbes Dutzend Sprachen und soll angeblich seinen englischen Akzent je nach Geschäftsort London oder New York - angepasst haben.
Strothotte trieb bei Glencore einen strategischen Wandel voran: vom reinen Handelsunternehmen hin zum Eigentümer von Produktionsanlagen wie Minen und Hütten. Zu seinem Nachfolger wählte er Ivan Glasenberg, den Hauptvertreter dieser Philosophie. Obwohl Strothotte die Spekulationen um einen Börsengang Glencores herunterspielte und 2001 erklärte, dieser würde die unternehmerische Freiheit einschränken, war es genau dieser Wandel, der Glencore schliesslich 2011 zum Börsengang führte.
Als Glasenberg 2002 CEO wurde, blieb Strothotte sowohl bei Glencore als auch bei der Schwestergesellschaft Xstrata Vorsitzender des Verwaltungsrats. Er trat 2011 vor dem Börsengang von Glencore zurück, doch seine Zeit bei dem Handelshaus machte ihn dennoch zu einem wohlhabenden Mann: Das Magazin Bilanz listete ihn im vergangenen Jahr auf Platz 130 der reichsten Männer des Landes mit einem geschätzten Vermögen von 1,8 Milliarden Franken..
(Bloomberg/cash)
