Ein zwanzigfacher Goldgulden des Jahres 1557 aus Luzern ist diese Woche für 390'000 Franken versteigert worden. Die Münze ging an dem vom Zürcher Auktionshaus Sincona durchgeführten Bieterwettbewerb zum Startpreis von 250'000 Franken ins Rennen und fand dann für 325'000 Franken einen neuen Besitzer. Dieser hatte noch das an Versteigerungen übliche Aufgeld zu bezahlen, sodass er die Schweizer Goldmünze alles in allem für jene fast 400'000 Franken erwarb.

Laut Sincona entspricht dieser Wert dem höchsten Preis, den eine Münze an der in diesen Tagen durchgeführten Auktion erzielt hatte. Der Spitzenverkaufswert ist durch das Gewicht, den Erhaltungsgrad und die enorme Seltenheit der Münze erklärbar. Das über 400 Jahre alte Goldstück aus Luzern wiegt 65 Gramm - so viel wie nur eine Handvoll anderer Goldmünzen der schweizerischen Numismatik.

Die Erhaltung wird im Auktionskatalog als «prachtvoll» beschrieben. Die Münze weist also nur geringe Abnutzungserscheinungen auf, und die Prägedetails sind auch nach mehr als vier Jahrhunderten voll erkennbar; in den Feldern sei die Münze, wie für die Zeit üblich, stellenweise leicht bearbeitet worden, heisst es. Die so verstandene Schönheit trägt zum Wert der Münze in den Augen von Sammlern bei.

Schliesslich die Exklusivität: Der Luzerner Goldgulden sei «von grösster Seltenheit und das vermutlich einzige bekannte Exemplar», teilten die Spezialisten von Sincona mit. Es ist möglich, dass es noch weitere Exemplare gibt, von denen man aber keine Kenntnis hat. Die Rarität kommt daher, dass derartige Goldmünzen kaum je zum Zwecke des Geldumlaufs, sondern vielmehr als Statussymbole und zu Repräsentationszwecken geschlagen wurden.

In den Goldgulden ist die Blendung des heiligen Leodegars, der im siebten Jahrhundert lebte und Bischof von Autun war, eingeprägt. Die Stadt Luzern machte den Heiligen vermutlich zum Thema ihrer Goldmünze, um so Schutz von Reichtum und Macht zu symbolisieren - «dank dem heiligen Leodegar wird Luzern diesen Reichtum und diese Macht auch in Zukunft behalten – allen Feinden zum Trotz», laute die Botschaft, welche die Innerschweizer Stadt habe aussenden wollen, schreibt die Numismatikerin Ursula Kampmann in einem Anfang Oktober erschienenen Fachartikel.

An der Auktion von Sincona in Zürich wechselten noch andere Schweizer Münzen den Besitzer. Unter anderem wurde eine 20-Franken-Helvetia aus dem Jahr 1887 für 228'000 Franken verkauft. Auch diese Goldmünze - knapp 6,5 Gramm schwer - ist äusserst selten. Es wurden nur 176 Stück hergestellt, und lediglich fünf bis zehn Exemplare sind heute noch vorhanden. Die Spezialisten sprechen von einer «ultimativen Rarität».

Aus Zürich stammt eine Zehn-Dukaten-Münzen des Jahres 1725. Sie ist 35 Gramm schwer, aus Gold und ebenfalls von grösster Seltenheit. Ein Bieter bezahlte 204’000 Franken dafür.

Die verkauften Stücke sind Teil der sogenannten «Lake View Collection», einer Sammlung von 215 Schweizer Goldmünzen. «Jede einzelne von ihnen zeichnet sich nicht nur durch ihre Seltenheit und ihre historisch-numismatische Bedeutung aus, sondern auch durch ihre überdurchschnittlich gute Erhaltung», sagt Jürg Richter, Inhaber und Geschäftsführer von Sincona.

Diese Woche wurde der erste Teil der Sammlung versteigert. Weitere Auktionen sind für das Frühjahr und den Herbst 2027 geplant.

Reto Zanettin
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