Das am Freitag präsentierte Ergebnis 2025 von Ems-Chemie dürfte Licht und Schatten aufweisen. Trotz neuer Kundenprojekte und Anwendungen dürfte 2025 für das Unternehmen ein herausforderndes Jahr gewesen sein. Denn der globale Automarkt darbt, und der anhaltend starke Schweizer Franken stellt ebenfalls eine grosse Belastung dar, werden doch gut die Hälfte der Produktionsmengen in der Schweiz hergestellt.
Der Umsatz wird voraussichtlich auf 1,975 Milliarden Franken von 2,071 Milliarden Franken im Jahr 2024 gesunken sein. Die Marge auf Stufe EBIT wird sich laut Analystenschätzungen um 28,6 Prozent erweitert haben (2024: 26,0 Prozent). Unter dem Strich sehen die Experten einen Reingewinn von 480 Millionen Franken, nach 466 Millionen Franken im Jahr zuvor.
Der Automarkt ist für Ems wichtig, da er für gut sechs von zehn Umsatzfranken steht. Doch der globale Automarkt stockt seit geraumer Zeit, was sich dämpfend auf die Nachfrage nach technischen Kunststoffen auswirkt. Dank eines stark spezialisierten Portfolios bleibt Ems zwar teilweise von den Auswirkungen verschont - ganz kann sich das Unternehmen dem Marktumfeld aber nicht entziehen.
Was haben Kunststoffe im Auto zu suchen?
«Metallersatz zu tieferen Kosten»: Das ist das Geschäftsmodell der Ems-Chemie auf einen kurzen Nenner gebracht. Im Auto hat der Konzern mit seinen Kunststoffen unter anderem Metall in Pedalen, Sitz- und Türkomponenten sowie in zahlreichen Halterungen oder im Motorraum ersetzt. Das senkt Gewicht und Produktionskosten und trägt zu einem geringeren Energieverbrauch der Fahrzeuge bei.
Wie hat das Management reagiert?
Das Ems-Management gibt dem schwachen Automarkt bereits seit 2023 mit einer globalen Verkaufsoffensive Gegensteuer, um Neugeschäfte zu generieren. Und zwar mit neuen Anwendungen im Autobau, aber auch in anderen Bereichen. Ems-Kunststoffe kommen auch in Brillen, Skischuhen, Sportgeräten, Spielkonsolen oder in der Medizintechnik zum Einsatz.
Die Verkaufsoffensive ist zwar sehr erfolgreich, kann jedoch den Rückgang im Geschäft mit den Autobauern nicht ganz kaschieren. Und die Autoproduktion dürfte sich einigen Experten zufolge auch in 2026 flach entwickeln, weshalb Ems-Chemie ein weiteres «Übergangsjahr» bevorstehen könnte. Andere Analysten wiederum hoffen, dass der Tiefpunkt bezüglich Umsatz im vierten Quartal 2025 erreicht wurde.
Was macht die Aktie?
Die Ems-Chemie-Titel sind seit Jahresbeginn um rund 9 Prozent gestiegen, und haben damit den am SPI gemessenen Gesamtmarkt (+1,1 Prozent) klar abgehängt. Im letzten Jahr büssten die Papiere gut 10 Prozent ein.
Gemäss AWP-Analyser bewertet ein Experte den Titel mit «Kaufen», sechs stufen ihn mit «Halten» ein, zwei empfehlen «Verkaufen». Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 628,12 Franken. Das sind etwas mehr als die 620 Franken, zu denen die Valoren am Donnerstag gehandelt wurden.
(AWP/cash)
