Am Dienstag gingen die Valoren von Ems-Chemie 0,48 Prozent tiefer bei 822,00 Franken aus dem Handel. Damit wurde der zuletzt starke Lauf der Aktie gebremst.
Gerade zum Wochenanfang hatten die Ems-Aktien noch einmal zugelegt. Sie stiegen am Montag in der Spitze bis auf 832 Franken beziehungsweise die mit Abstand höchste Notiz seit Mai 2022 und damit auf einen Wert, den sie seit 51 Monaten nicht mehr erreicht hatten.
In der jüngeren Vergangenheit war aber speziell der 20-prozentige Kurssprung seit Anfang Juli markant. Ausgelöst wurde er vom Bericht nach zwei Quartalen des Geschäftsjahres 2026. Umsatz- und Gewinnzahlen lagen über den Konsensprognosen der Analysten. Zudem hat das Management um CEO Magdalena Martullo-Blocher den Umsatzausblick für das Jahr 2026 etwas angehoben.
Zukunftsweisend sind auch die Schritte von Ems-Chemie in Geschäftsfelder, die das stark auf den Automobilmarkt orientierte Unternehmen in der Vergangenheit noch nicht bearbeitet hatte - zum Beispiel: Robotics oder Datenzentren. Ems entwickelt in diesen Wachstumsfeldern gemeinsam mit anderen Unternehmen Lösungen für Bauteile, «die besonders leicht, robust und formstabil sind», wie es in der Medienmitteilung zum Halbjahresbericht heisst. Zugleich wolle man im angestammten Automobilbau die Hersteller mit neuartigen Produkten beliefern.
Analysten teilen die Auffassung des Managements, dass der auf Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien fokussierte Konzern mit entsprechenden Produkten in den verschiedenen Geschäftsfeldern nunmehr Chancen wahrnehmen kann. «Ems dürfte sich mit neuen, innovativen Anwendungen und Marktanteilsgewinnen weiterhin positiv entwickeln», schrieb Walter Bamert, zuständiger Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), kurz nach der Vorlage des Erstsemesterberichts. Er veranschlagte den indikativen faire Wert pro Aktie bei 729 Franken. Die Einstufung lautet «Marktgewichten».
Ein Stück zuversichtlicher ist der zuständige Experte der UBS, Patrick Rafaisz. Er stuft Ems Chemie mit «Buy» ein, das Preisziel sieht er bei 860 Franken. Mehr als diesen Wert traut keiner der von Bloomberg erfassten Experten der Aktie des Spezialchemiekonzerns zu.
Rafaisz geht in seiner Ende Juli veröffentlichten Analyse speziell auf die neuen Marktsegmente ein und sieht das Unternehmen in einer Bewegung «von Autos zu Robotern», woraus sich neue Chancen ergäben, wie der Analyst schrieb.
Gerade der Bereich humanoider Roboter könne zusätzlichen Umsatz bringen, indem die Erzeugnisse von EMS andere Stoffe - etwa Metalle oder Kunststoffe wie Polyetheretherketon (PEEK) - ersetzen. Im Weiteren geht der UBS-Analyst davon aus, dass die operative Marge auf Stufe Ebit in den Geschäftsjahren 2026 bis 2030 im Schnitt bei 30,4 Prozent liegen wird. Im zurückliegenden Jahr 2025 betrug die Ebit-Marge 29,1 Prozent, nach 26,0 Prozent im Jahr 2024.
Zwei bei Bloomberg verzeichnete Analysten empfehlen die Ems-Aktie zum Kauf. Sechs raten zum Halten. Einer sagt «Sell». Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 732,38 Franken - deutlich unter der momentanen Notierung. Anlegerinnen und Anleger werden sich den Titeln mit angezeigter Vorsicht nähern, dabei jedoch auch die Chancen in Feldern wie Robotik und Rechenzentren erwägen.
Schon manch eine Schweizer Aktie hat durch den Boom der Rechenzentren Schub erhalten. Beispiele sind ABB, Belimo, Centiel und Georg Fischer.

