Derzeit sei ein Ende der Krise nicht absehbar, sagte Konzernchef Rolf Habben Jansen ‌am Mittwoch auf ⁠einer Online-Kundenkonferenz. Aber selbst bei einer Wiedereröffnung der für die Schifffahrt so wichtigen Strasse von Hormus ⁠werde eine Rückkehr zur Normalität mindestens drei Monate dauern. Dies sei seine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt, betonte Habben Jansen. Je ‌länger sich die Krise hinziehe, desto mehr verzögere sich auch der ‌Wiedereinstieg in den Normalbetrieb. Hapag-Lloyd ist die grösste ​Containerreederei Deutschlands und die fünftgrösste weltweit.

Die französische Reederei CMA CGM, international die Nummer drei, geht sogar davon aus, dass die Hormus-Krise die Schifffahrt in der Region nachhaltig verändern wird. Es sei «unklug» davon auszugehen, dass einfach wieder der Zustand vor Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar erreicht werde, hatte Konzernchef Rodolphe Saade ‌am Dienstag bei einer Anhörung im französischen Parlament gesagt. «Wir dürfen nicht die Gefangenen von Hormus sein.» Selbst wenn in den kommenden Wochen eine Friedenslösung umgesetzt werde, gebe es keine Garantie dafür, dass es später ​nicht zu einer weiteren Krise komme.

Angesprochen auf diese Einschätzung sagte der Hapag-Lloyd-Chef, ​Saade habe damit durchaus einen Punkt. Die vergangenen Monate hätten ​gezeigt, wie fragil der Betrieb in der Region sei, erklärte Habben Jansen. «Das wird in der Tat zu einem Umdenken darüber ‌führen, wie man diese Märkte am besten bedient.» Allerdings werde nach seiner Erwartung vieles wieder beim Alten sein, sobald die Aussicht bestehe, dass es in der Strasse von Hormus für längere Zeit friedlich ​bleibe. «Diese Länder über ​den Seeweg zu versorgen, ist schlichtweg die ⁠mit Abstand effizienteste Methode. Und darauf kommt es letztlich an.»

Die Reedereien ​aus Hamburg und Marseille ⁠weichen derzeit auf Transporte über Land sowie auf Zubringerdienste von kleineren Häfen aus. CMA CGM-Finanzchef Ramon Fernandez ‌erklärte vor der Nationalversammlung, die Nutzung der Ausweichrouten werde das Unternehmen im ersten Halbjahr voraussichtlich 300 Millionen Dollar zusätzlich kosten. Hapag-Lloyd veranschlagt 50 bis 60 Millionen Dollar pro Woche ‌zusätzliche Ausgaben vor allem durch höhere Treibstoffpreise, aber auch durch gestiegene Lagergebühren und ​Versicherungskosten. Von den mehr als 300 Hapag-Lloyd-Schiffen sitzen derzeit noch vier im Golf fest. Bei CMA CGM sind es zwölf von mehr als 650 Schiffen.

(Reuters)