Die Verflechtungen deutscher Grosskonzerne mit den USA und China verhindern einer Studie zufolge eine einheitliche deutsche Aussenhandelspolitik. Die Abhängigkeit von den beiden ‌weltgrössten ⁠Volkswirtschaften sei so stark, dass eine Entkopplung mit schweren ökonomischen Einbussen verbunden wäre, ⁠heisst es in der am Montag veröffentlichten Analyse von Forschern der University of Sussex und ‌des King's College London. Diese lag der Nachrichtenagentur Reuters ‌vorab vor. Die Wissenschaftler untersuchten die Abhängigkeiten ​von an den Börsenindizes Dax und Mdax notierten Firmen bei Absatz, Produktion und Lieferketten.

«Führende Industrieunternehmen wie Siemens und BMW wurden in einem grundlegend globalisierten System aufgebaut und können sich weder von China noch von den USA entkoppeln, ohne verheerende ‌Verluste zu erleiden», sagte Steven Rolf, Politikökonom an der University of Sussex und einer der Autoren. Der Studie zufolge sind Auto- und Maschinenbauer am stärksten vom chinesischen Markt ​abhängig. Dagegen seien Chemie- und Pharmafirmen für Forschung, Entwicklung ​und Produktion mehr auf die USA ausgerichtet. Digital-, ​Telekommunikations- und Halbleiterunternehmen wiederum seien in hohem Masse von Zulieferern aus beiden Ländern abhängig.

Die Studie untermauert ‌dies mit konkreten Beispielen. So erziele BMW mehr Umsatz in der Volksrepublik als in den Vereinigten Staaten. Gleichzeitig sei der Konzern vom chinesischen Batterielieferanten CATL für Zulieferungen ​im ​Wert von mehr als 1,4 Milliarden Euro ⁠abhängig. Siemens erwirtschafte 24 Prozent seines Umsatzes in ​den USA und zwölf ⁠Prozent in China. Die Lieferketten des Technologiekonzerns seien zudem stark mit beiden Ländern ‌verflochten.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen die Schwierigkeiten für die Bundesregierung, angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China eine klare Strategie ‌zu formulieren. Die widersprüchlichen Interessen der Wirtschaft machten es nahezu unmöglich, ​eine einheitliche politische Linie zu finden, sagte Rolf. Diese innere Zerrissenheit des eigenen Exportmodells sei der Kern von Deutschlands geopolitischer Zwickmühle.