Ermotti: «Wir wollen keine Neugelder kaufen»

Die Aktie der UBS gerät am Dienstag an der Börse arg unter die Räder. Im Video-Interview sagt CEO Sergio Ermotti, wie zufrieden er mit dem Jahresergebnis ist und wie die künftige Dividendenpolitik aussieht.
02.02.2016 11:44
Sergio Ermotti, CEO der UBS.
Bild: cash

Dank guter Geschäfte mit vermögenden Privatkunden und im Investmentbanking konnte die UBS das Jahresergebnis 2015 um 79 Prozent auf 6,2 Milliarden Franken emporschrauben. Das ist mehr als von Analysten erwartet und der höchste Gewinn seit 2010, als die UBS nach dem Abklingen der Finanzkrise knapp 7,5 Milliarden Franken verdient hatte.

Der Reingewinn im vierten Quartal, das eigentlich neue an den heutigen UBS-Resultaten, wird aber durch eine Steuergutschrift geschönt. Auf Basis des bereinigten Vorsteuergewinns verfehlte die UBS die Erwartungen im vierten Quartal hingegen deutlich.

Befragt nach seiner Beurteilung des UBS-Ergebnisses sagt CEO Sergio Ermotti im Video-Interview: "Wir sind auch zufrieden über unser vorsteuerliches Resultat."

Das sieht der Markt aber ganz anders. Auch aufgrund der Gewinnenttäuschung im vierten Quartal stürzt die Aktie der UBS am Dienstagmorgen an der SIX bis 9 Prozent ab. Die Aktie fällt damit so stark wie zuletzt Mitte Januar 2015, als die SNB die Kursuntergrenze aufgab.

Insbesondere der Ergebnisbeitrag aus dem Wealth Management, das erklärte zukünftigen Kerngeschäft, liegt weit hinter den Erwartungen zurück. Der Vorsteuergewinn im Vermögensverwaltungsgeschäft schrumpfte im Jahresvergleich um 47 Prozent auf 344 Millionen Franken.

"Mal schauen, wie es heraus kommt"

Viele Kunden hatten sich angesichts der Börsenturbulenzen seit dem Sommer zurückgehalten. Zudem flossen in dem Bereich im Schlussquartal 3,4 Milliarden Franken an Kundenvermögen ab. Zuflüsse aus Asien und der Schweiz konnten die Abflüsse in Europa und in den Schwellenländern nicht ausgleichen. 

Droht ein Exodus an Geldern? Ermotti verneint: "Diesen Abflüssen stehen allein in den USA knapp 16 Milliarden Franken an Netto-Neugeldzuflüssen gegenüber." Ausserhalb Amerika hätten die "Entschuldung" und die neue Regulierungen eine grosse Rolle gespielt. Im Rahmen des Schuldenabbaus trennt sich die UBS seit einigen Quartalen von jenen Geschäften, die nicht genügend Profit abwerfen. "Wir haben sehr diszipliniert gearbeitet und wollen einfach keine Neugeld-Zuflüsse über Subventionierung unserer Deposits kaufen", so Ermotti.

Für das weitere Jahr erwartet der UBS-Chef grosse makroökonomische und geopolitische Herausforderungen. Die UBS sei aber für dieses anspruchsvolle Jahr für die Finanzmärkte gut vorbereitet. "Wir werden mal schauen, wie es heraus kommt", fügt er dazu an.

(Temporär) erhöhte Dividende?

Die UBS will neben einer regulären Ausschüttung von 0,60 Franken je Aktie eine Sonderdividende von 0,25 Franken entrichten. Die Aktionäre sollen somit eine Dividende von insgesamt 0,85 Franken erhalten. Im Jahr davor waren es - ordentliche Dividende und Sonderausschüttung zusammengenommen - 75 Rappen. 

Aktionäre wollen nun natürlich wissen, ob diese erhöhte Dividende bloss eine Eintagesfliege ist, und die Folgejahre wieder dürftiger ausfallen werden. Für Ermotti ist es zu früh, bereits über die zukünftigen Dividenden zu spekulieren. Er betont jedoch, dass die UBS plant, "eine stabile Dividendenpolitik im Sinne unserer ordentlichen Dividende beizuhalten." Man wolle diese Dividende ausserdem über die Jahre auch anwachsen lassen.

Im Video-Interview erläutert Sergio Ermotti ausserdem, ob der tiefe Ölpreis ein Problem für die UBS darstellt und wie der Stand der Ermittlungen im Rechtsfall in Frankreich ist.

(AWP/cash)