«Die anstehenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran werden kompliziert sein», schreiben die Experten der Privatbank M.M. Warburg. «Wenn sich das iranische Regime so verhält wie immer, wird es vorgeben, eine Einigung erzielen zu wollen, dies aber niemals tun.» So könnten sich die Verhandlungen über Wochen oder sogar Monate hinziehen. Die ersten Friedensgespräche zwischen iranischen Unterhändlern und einer US-Delegation in Pakistan finden am Samstag statt.
In der vergangenen Woche liess die Ankündigung einer Waffenruhe im Nahen Osten die Anleger nur zeitweise aufatmen. Angesichts der rasant steigenden Kurse am Mittwoch legten die Börsen jedoch insgesamt zu: Es resultierte für den US-Leitindex DowJones ein Wochengewinn von rund drei Prozent. Beim Nasdaq 100 beträgt das Wochenplus rund viereinhalb Prozent. Der Swiss Market Index gewann auf Wochensicht 1,6 Prozent ein. Damit hat der SMI drei Handelswochen in Folge Punkte gut gemacht.
Die Ölpreise, die im März um rund 40 und 25 Prozent zugelegt hatten, gaben indes auf Wochensicht jeweils rund zwölf Prozent nach. «Insgesamt ist es jedoch verfrüht, auf eine permanente Markterholung zu setzen», sagt Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management.
Sollten die Ölpreise dennoch weiter fallen, dürften Anleger verstärkt auf Transport- und Logistikwerte schauen, sagt Analyst Maximilian Wienke vom Broker eToro. Auch Industrie- und Chemieunternehmen dürften von niedrigeren Produktionskosten profitieren. Gleichzeitig könnte das Vertrauen in zyklische Konsumwerte zurückkehren, etwa bei Automobilaktien. Auf die Watchlist gehörten auch energieintensive Technologiewerte.
Anleger blicken zudem auf die ungarische Parlamentswahl am Sonntag. Nach 16 Jahren an der Macht könnte Ministerpräsident Viktor Orban sein Amt an seinen Herausforderer Peter Magyar verlieren. Für die Finanzmärkte sei dabei vor allem die Klarheit des Wahlausgangs wichtig, sagt Ulrich Stephan, Chefstratege der Deutschen Bank.
So dürfte eine klare Mehrheit für den Regierungswechsel der Landeswährung Forint sowie dem Budapester Leitindex spürbaren Rückenwind verschaffen. Anhaltende Unsicherheit über den Wahlausgang könnte ungarische Anlagen hingegen belasten. Sollte Fidesz am Ruder bleiben, dürfte dies weitere Spannungen mit der EU bedeuten, die Fördergelder an Ungarn derzeit eingefroren hat. In diesem Fall dürften die Ratingagenturen bei der Bewertung der Staatsanleihen auf mehr Haushaltsdisziplin drängen.
US-Bilanzsaison beginnt
In der neuen Woche fällt in den USA der Startschuss für die neue Bilanzsaison. Nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Strategen Stephan dürften die Einnahmen der grössten US-Unternehmen insgesamt steigen. Ein besonders grosses Plus erwarten Experten bei den Technologiefirmen, die ihre Gewinne um fast die Hälfte steigern könnten. Im Vorquartal lag der Anstieg bei rund 35 Prozent.
«Entscheidend dürften in dieser Berichtssaison jedoch weniger die reinen Zahlen als der Umgang der Unternehmen mit dem deutlich gestiegenen Ölpreis sein», sagt Stephan. Wichtig für die Anleger sei auch, inwieweit Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz den Wachstumsausblick einzelner Unternehmen beeinflussen.
Die US-Bilanzsaison eröffnen traditionell die Grossbanken. Analysten erwarten, dass sie dank hoher Zinserträge und Investmentbanking-Gebühren höhere Quartalsgewinne erzielt haben. Wegen der geopolitischen Risiken dürften sich die Anleger jedoch vor allem auf die Prognosen konzentrieren.
Zum Wochenstart legt Goldman Sachs seine Geschäftszahlen vor. Am Dienstag gewähren Wells Fargo, Citigroup und JP Morgan einen Blick in ihre Bücher. Die Finanzberichte von Morgan Stanley und der Bank of America stehen am Mittwoch an. Den Abschluss machen am Donnerstag die Ergebnisse von US Bancorp und der Bank of New York Mellon. Zudem legen Unternehmen wie Johnson & Johnson, PepsiCo und Netflix ihre Bilanzen vor.
Auch bei den Konjunkturdaten stehen in der neuen Woche zahlreiche Veröffentlichungen an. Anleger warten unter anderem auf die europäischen Industrie- und Aussenhandelsdaten für Februar sowie die endgültigen Inflationszahlen für den Euroraum für März. Aus den USA werden die Erzeugerpreise für den vergangenen Monat erwartet.
Aus China kommen zudem Exportzahlen für März sowie Daten zum Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal.
(Reuters/cash)

