US-Präsident Donald Trump erklärte in Washington, die unter dem Namen «Operation Epic Fury» («Epische Wut») laufende Offensive solle eine Sicherheitsbedrohung für die USA beenden und den Iranern die Chance geben, ihre Regierung zu stürzen. Der Iran reagierte umgehend mit Raketenangriffen auf Israel. Auch in den benachbarten Golfstaaten waren Explosionen zu hören, nachdem die Führung in Teheran gedroht hatte, bei einem Angriff die gesamte Region ins Visier zu nehmen. Aus der Region wurden zunächst Dutzende Tote gemeldet.
Die erste Welle der Angriffe richtete sich Insidern zufolge gezielt gegen iranische Spitzenfunktionäre. Ein israelischer Regierungsvertreter erklärte, sowohl der Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei als auch Präsident Massud Peseschkian seien Ziele der Attacke gewesen. Über die Auswirkungen herrschte zunächst Unklarheit. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Chamenei habe sich nicht in Teheran aufgehalten und sei an einen sicheren Ort gebracht worden. Aus iranischen Kreisen verlautete dagegen, mehrere hochrangige Kommandeure der Revolutionsgarden sowie politische Beamte seien getötet worden.
Die militärischen Aktionen griffen rasch auf die US-Verbündeten in der Region über. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Katar meldeten den Abfang von Raketen aus dem Iran. In der VAE-Hauptstadt Abu Dhabi waren Explosionen zu hören, Augenzeugen berichteten von Kampfjets über der Insel Yas. Auch im Wirtschaftszentrum Dubai gab es Detonationen.
Bahrain teilte mit, das Servicezentrum der 5. US-Flotte sei Ziel eines Raketenangriffs geworden. Videoaufnahmen zeigten eine dicke graue Rauchwolke nahe der Küste des Inselstaats, während Sirenen heulten. Katar erklärte, es habe alle auf das Land abgefeuerten Raketen abgeschossen und behalte sich das Recht auf eine Reaktion vor. Auch in der Hauptstadt Doha wurde Luftalarm ausgelöst.
Besondere Sorge an den Ölmärkten lösten Berichte über Explosionen nahe der iranischen Insel Charg aus. Über das Terminal dort wickelt der Iran rund 90 Prozent seiner Rohölexporte ab. «Wenn wir am Wochenende keine Anzeichen einer Deeskalation sehen, könnten Risikoprämien den Preis für die Sorte Brent am Montag um zehn bis 20 Dollar je Fass nach oben treiben», sagte Jorge Leon, Chefanalyst bei Rystad Energy. Weltweit strichen Fluggesellschaften ihre Verbindungen in die Region.
Trump: «Bomben werden überall fallen»
Präsident Trump verband den militärischen Schlag mit einem direkten Appell an die iranische Bevölkerung. In einer Videobotschaft forderte er die Iraner auf, Schutz zu suchen. «Bomben werden überall fallen», sagte Trump. Er fügte hinzu: «Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung. Es wird an euch sein, sie zu nehmen. Dies wird wahrscheinlich eure einzige Chance für Generationen sein.»
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, der gemeinsame Angriff schaffe die Voraussetzungen dafür, dass das «tapfere iranische Volk sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt» und das «Joch der Tyrannei abschüttelt». Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete den Schlag als präventive Massnahme.
In Teheran spielten sich chaotische Szenen ab. Menschen versuchten Bargeld abzuheben und bildeten lange Schlangen vor Tankstellen. Viele fürchteten einen Zusammenbruch des Internets und damit der Kommunikation mit Angehörigen im Ausland. «Wir werden vom Regime und von Israel getötet. Wir sind die Opfer der feindseligen Politik dieses Regimes», sagte Maryam, eine 54-jährige Hausfrau, auf der Flucht in den Norden des Landes.
Nach Angaben staatlicher iranischer Medien wurden bei einem israelischen Luftangriff auf eine Mädchenschule im Süden des Landes 40 Menschen getötet. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Das israelische Militär reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme zu dem Vorfall.
Anlass der Angriffe war das Scheitern indirekter Atomgespräche zwischen den USA und dem Iran in dieser Woche. Trump hatte zuvor eine massive US-Militärpräsenz in der Region aufgebaut, um die Führung in Teheran zu Zugeständnissen zu zwingen. «Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime beseitigen», sagte Trump.
Die iranischen Revolutionsgarden drohten, die Vergeltung fortzusetzen, bis «der Feind entscheidend geschlagen» sei. Alle US-Stützpunkte in der Region seien in Reichweite. Die mit dem Iran verbündete Miliz Kataib Hisbollah im Irak kündigte ihrerseits Angriffe auf US-Stützpunkte an. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, die aktuelle Kampagne werde voraussichtlich mehrere Tage andauern. Bereits im vergangenen Juni hatten sich Israel und der Iran einen zwölftägigen Luftkrieg geliefert.
Kritik aus Spanien
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte vor schweren Konsequenzen eines Krieges. Er forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Das iranische Regime habe nun keine andere Wahl mehr, als ernsthafte Verhandlungen über sein Atom- und Raketenprogramm sowie seine destabilisierende Rolle in der Region aufzunehmen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez verurteilte die Militäraktion der USA und Israels. Der einseitige Angriff stelle eine Eskalation dar und trage zu einer unsichereren und feindseligeren internationalen Ordnung bei. Die Bundesregierung hielt sich mit einer Bewertung zunächst zurück. Man sei über den Angriff vorab informiert worden und stehe in engem Kontakt mit den europäischen Partnern, teilte ein Regierungssprecher mit.
Grossbritannien betonte, der Iran dürfe niemals Atomwaffen entwickeln. Grossbritannien sei bereit, seine Interessen zu verteidigen, teilte die Regierung in London mit. Aus Regierungskreisen verlautete, Premierminister Keir Starmer habe eine Krisensitzung abgehalten.
Russland verurteilte das Vorgehen der USA und Israels scharf. Aussenminister Sergej Lawrow habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi von einem «unprovozierten bewaffneten Angriff» gesprochen, teilte das Aussenministerium in Moskau mit. Lawrow fordere einen sofortigen Stopp der Angriffe.
(Reuters)

