«Eskalierende Konflikte im Nahen Osten oder eine Verschlechterung der globalen Risikostimmung könnten heftige und ungeordnete Marktkorrekturen auslösen», heisst es in dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht 2025 des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB). Diese Erschütterungen könnten sich über ein geschwächtes Vertrauen und höhere Finanzierungskosten auf die Realwirtschaft übertragen.
«Der Druck durch gestiegene Rohstoffpreise und eine sich abzeichnende Fragmentierung der Lieferketten gegen Ende des Berichtszeitraums verdeutlichte erneut die Anfälligkeit des Finanzsystems für globale Schocks sowie das Risiko einer abrupten Neubewertung an den Finanzmärkten und bei den Inflationserwartungen», konstatiert der ESRB. Er deckt in seinem Report den Zeitraum von April 2025 bis Ende März 2026 ab, in den auch der Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar fällt. Finanzinstitute könnten – teils infolge weiterer potenzieller Zinsanpassungen sowie grenz- und sektorenübergreifender Ansteckungseffekte – mit stärkeren Engpässen bei der Refinanzierung und Liquiditätsversorgung konfrontiert sein, warnte der ESRB.
«Aussergewöhnliche Unsicherheit»
Der Rat wurde 2010 als Reaktion auf die Finanzkrise gegründet und soll auf Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems in der EU hinweisen. Der Verwaltungsrat ist das Beschlussorgan des ESRB und steht unter dem Vorsitz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Diese erklärte im Vorwort zum Jahresbericht: «Das weltweite Umfeld war im Berichtszeitraum von aussergewöhnlicher Unsicherheit geprägt.»
Geopolitische Spannungen, erneute Handelskonflikte und eine erhöhte Ungewissheit hinsichtlich politischer Massnahmen prägten die makrofinanziellen Rahmenbedingungen in der EU. Dennoch erwiesen sich die europäische Wirtschaft und ihr Finanzsystem angesichts dieser Herausforderungen als widerstandsfähig. «Die Wahrung dieser Widerstandsfähigkeit ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, da die Risiken für die Finanzstabilität weiterhin auf einem erhöhten Niveau liegen», warnte Lagarde.
(Reuters)

