Die EU-Kommission prüft die praktischen Auswirkungen einer US-Exportkontrollrichtlinie, die das KI-Unternehmen Anthropic betrifft. Massnahmen in diesem Zusammenhang sollten Partner ‌nicht ⁠diskriminieren, teilte die Brüsseler Behörde am Sonntag mit. «Wir prüfen die praktischen Konsequenzen ⁠für die europäischen Nutzer dieser Dienste genau», sagte ein Sprecher. Die Entwicklung sei ‌ein weiteres Beispiel dafür, warum Europa seine technologische ‌Souveränität stärken müsse.

Der auf künstliche ​Intelligenz (KI) spezialisierte Entwickler Anthropic hatte am Freitag mitgeteilt, seine fortschrittlichsten KI-Modelle für alle Nutzer abrupt zu deaktivieren. Grund ist eine Anordnung der US-Regierung, den Zugang zu den Modellen für ausländische Staatsangehörige auszusetzen. Die Regierung in Washington ‌begründete dies mit Bedenken für die nationale Sicherheit.

«Wir sehen, dass eine neue Generation hochleistungsfähiger KI-Modelle auf den Markt kommt», erklärte EU-Kommissionssprecher Thomas Regnier. «Diese Modelle ​bieten erhebliche Vorteile, auch für die Cyber-Abwehr, werfen ​aber auch ernste Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit ​auf, die angegangen werden müssen.» Vorsorgemassnahmen, die in diesem Zusammenhang ergriffen würden, sollten Partner ‌jedoch nicht diskriminieren.

In den Fokus geraten ist der nun blockierte Zugang zu den KI-Modellen «Fable 5» und «Mythos 5» von Anthropic. Die US-Behörden befürchten Experten ​zufolge, ​dass die KI-Modelle zum Aufdecken von ⁠Schwachstellen in Software missbraucht werden könnten. Anthropic ​hatte angekündigt, den ⁠Zugang so bald wie möglich wiederherzustellen. Anthropics Verhältnis zur Regierung von US-Präsident ‌Donald Trump ist angespannt. Das Unternehmen hatte sich geweigert, dem US-Militär die Nutzung seiner Modelle für inländische Überwachung und ‌vollständig autonome Waffensysteme zu gestatten. Daraufhin setzte die Regierung Anthropic ​auf eine schwarze Liste für Lieferketten.

(Reuters)