Die Wirtschaft im Euroraum würde aus Sicht der EZB auch bei etwas ‌höheren ⁠Zinsen nicht gehemmt. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, ⁠Philip Lane, sagte am Donnerstag in London, man ziehe ‌verschiedene Modelle zur Bestimmung des neutralen ‌Zinses heran, bei ​dem die Wirtschaft noch nicht gebremst werde. Die Obergrenze dieser Spanne sei leicht von 2,25 auf 2,50 Prozent gestiegen. Zuvor hatte sich bereits der ‌niederländische Notenbankchef Olaf Sleijpen ähnlich geäussert. Die EZB hat die Zinsen jüngst auf 2,25 Prozent angehoben und ​sich weitere Schritte nach oben offengehalten.

Die ​gestiegenen Ölpreise infolge des ​Iran-Konflikts haben die Inflation im Euroraum in die Höhe ‌getrieben. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um durchschnittlich 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die ​EZB ​peilt mittelfristig ein Stabilitätsziel einer ⁠Teuerungsrate von 2,0 Prozent an. ​Sie will vermeiden, ⁠dass sich ein durch den Iran-Konflikt ausgelöster Anstieg ‌der Energiekosten auf andere Preise ausweitet. EZB-Chefvolkswirt Lane hat vor diesem Hintergrund ein weiterhin ‌proaktives geldpolitisches Agieren in Aussicht gestellt.

(Reuters)