Die jüngste Verkaufswelle bei europäischen KI- und Tech-Aktien ist zum Wochenschluss abgeebbt. Der entsprechende Branchenindex notierte mit einem ‌Aufschlag ⁠von 0,3 Prozent knapp im Plus, nachdem er am Donnerstag um ⁠mehr als drei Prozent abgerutscht war. Im Dax rückten Infineon um drei Prozent ‌vor und waren damit stärkster Wert. Aixtron legten ‌im MDax 4,2 Prozent zu. ​Beide Chip-Werte waren am Vortag um jeweils mehr als acht Prozent abgetaucht. Die Furcht vor einer stärkeren Regulierung der KI-Branchen nach dem Erdrutschsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen hatte zuletzt ein Tech-Beben an den ‌Börsen in den USA und Asien ausgelöst.

Laut Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG stellt sich die Frage, ob der jüngste Einbruch nun ​nur eine Bereinigung nach den US-Zwischenwahlen gewesen oder ​mit einer Fortsetzung der Abwärtsphase zu rechnen ​sei. «Erste Erholungsversuche allein reichen für Entwarnung noch nicht aus.» Entscheidend werde sein, ob wichtige ‌Kursmarken hielten und die Kaufbereitschaft über eine kurzfristige Gegenbewegung hinaus Bestand habe, sagte der Analyst.

Aus Sicht von Cyrus de la Rubia, ​Chefvolkswirt ​der Hamburg Commercial Bank, kommt die ⁠aktuelle Korrektur nicht aus heiterem Himmel. «Warnzeichen dafür, ​dass der KI-Sektor überbewertet sein ⁠könnte, gab es schon vor der Wahl viele.» Der Sieg ‌der Demokraten und ihre Skepsis gegenüber dem weiteren Ausbau von Datenzentren wie auch ihr Wunsch nach einer Regulierung des ‌KI-Sektors hätten die schon seit längerem bestehenden Kursrückgänge ​in dem Sektor nur beschleunigt, resümiert der Experte.

(Reuters)