Diese radikalisierten ⁠sich oft als Einzeltäter über religiöse und politische Grenzen hinweg im Internet, wie aus dem EU-Terrorismusbericht ⁠der Polizeibehörde Europol für 2025 hervorgeht, der Reuters am Montag vorlag. Demnach wurden im vergangenen Jahr 45 Anschläge oder versuchte ‌Anschläge in der EU registriert, von denen 24 dem dschihadistischen Spektrum zugeordnet ‌wurden.

Dem Bericht zufolge verschwimmen die Grenzen zwischen etablierten ​terroristischen Ideologien zunehmend. Eine wachsende Bedrohung gehe von Tätern aus, die sich online in einem Mix aus verschiedenen extremistischen Überzeugungen, Verschwörungserzählungen und Desinformation radikalisierten. Europol spricht von einem «nihilistischen gewalttätigen Extremismus», bei dem die Gewalt zum Selbstzweck werde und klare ideologische Ziele fehlten.

Als Beispiel für die Vermischung von Ideologien wird das ‌Konzept des «weissen Dschihad» genannt, das rechtsextreme und dschihadistische Ideen verbindet. Künstliche Intelligenz (KI) werde dabei missbraucht, um über Chatbots und andere Anwendungen Propaganda zu erstellen und zu verbreiten. Zudem würden spielerische Elemente («Gamification») genutzt, um die Hemmschwelle für ​Gewalt zu senken.

Der Präsident der europäischen Polizeigewerkschaften (Eu.pol), Jochen Kopelke, sprach von ​einer Zeitenwende. «Die grösste Herausforderung für Europas Polizeien ist nicht ​mehr nur der klassische Terrorismus», sagte er. «Wir sehen eine neue Generation junger, digital radikalisierter Täter, die ideologische Grenzen überschreitet, KI und ‌soziale Medien nutzt und Gewalt als Selbstzweck versteht. Europa braucht deshalb eine gemeinsame Sicherheitsstrategie für den digitalen Raum.»

Die digitale Radikalisierung geschehe oft unter dem Radar traditioneller Ermittlungsmethoden, sagte Kopelke weiter. «Täter agieren isoliert, vernetzen sich aber ​in ​globalen, verschlüsselten Räumen.» Das stelle die Polizei vor ⁠immense Herausforderungen und erfordere nicht nur neue Technologien, sondern auch eine ​Anpassung der rechtlichen Bedingungen, um ⁠über Grenzen hinweg ermitteln zu können.

Insgesamt wurden bei den 22 vollendeten Anschlägen im Jahr 2025 sechs ‌Menschen getötet. Fünf Todesopfer gingen auf das Konto dschihadistischer Täter, eine Person wurde bei einem rechtsextremen Anschlag getötet. Zwölf Anschläge wurden dem linksextremen Spektrum zugeordnet, diese richteten sich ‌jedoch vor allem gegen Gebäude oder Fahrzeuge und forderten keine Opfer.

Die Zahl ​der Festnahmen im Zusammenhang mit Terrorismus stieg auf 486. Mit 347 entfiel die Mehrheit auf den Bereich des Dschihadismus, gefolgt von 43 Festnahmen im rechtsextremen und 13 im linksextremen Spektrum.

(Reuters)