Die St. Galler Kantonalbank glaubt nicht an homöopathische Zins-Dosen der Schweizerischen Nationalbank. Das Investment Center unter der Leitung des ehemaligen SNB-Anlagechefs Thomas Stucki rechnet damit, dass die Nationalbank am 22. Juni den Leitzins gleich um 50 Basispunkte auf 2 Prozent anheben wird. Viele andere Ökonomen sagen eine geringere Zinserhöhung voraus.

Die St. Galler Kantonalbank geht allerdings auch davon aus, "dass der Zinsschritt nächste Woche der letzte im aktuellen Zinserhöhungszyklus sein wird", schreibt die Bank in einer Mitteilung. Denn trotz weiterhin verbreiteten Preiserhöhungen und absehbar höheren Mieten häuften sich die Anzeichen, dass der Preisdruck in der Schweiz in den nächsten Monaten nachlassen werde.

Die Jahres-Inflation sank in der Schweiz im Mai 2023 auf 2,2 Prozent von 2,6 Prozent im April, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) letzte Woche mitteilte. In den ersten beiden Monaten des Jahres war sie noch wegen höherer Strom- und Flugpreise bis auf 3,4 Prozent angestiegen, seither geht es steil abwärts. Zuletzt so tief war sie im Februar 2022.

Die Bank J. Safra Sarasin rechnet im Gegensatz zur St. Galler Kantonalbank mit einer SNB-Zinserhöhung um bloss 0,25 Prozent  Auch Raiffeisen erwartet eine Zinserhöhung in diesem Rahmen, danach dürfte der Erhöhungszyklus laut der Bank abgeschlossen sein. Pictet geht noch von zwei Zinsschritten der SNB von je 0,25 Prozent aus.

Ein Zinsniveau von 2 Prozent sei zwar noch nicht sehr hoch, aber im Vergleich zu den letzten zehn Jahren "eine markante Verschärfung des Finanzierungsumfelds", führt die St. Galler Kantonalbank weiter aus. Die Haushalte und die Unternehmen müssten sich anpassen, was die Wirtschaft und den Immobilienmarkt bremse.

(cash)