Für Auftrieb an den Börsen sorgten in den vergangenen Tagen Gewinne im Technologiesektor nach starken Nvidia-Zahlen und ein ⁠Rückgang beim Ölpreis angesichts neuer Hoffnungen auf eine Lösung im US-Iran-Konflikt. Doch «es will nicht so recht vorangehen, vor allem, was die Auseinandersetzung um die Strasse von Hormus anbelangt», schreiben ‌die Experten der Helaba.

Einem hochrangigen Insider zufolge ist zwischen dem Iran und den ‌USA bisher keine Einigung erzielt worden. Zu den Streitpunkten zählten die ​iranische Urananreicherung sowie die Kontrolle über die Strasse von Hormus.

Dow Jones und Nasdaq 100 erzielten Wochengewinne von 2,1 beziehungsweise 1,2 Prozent. Der Schweizer Leitindex SMI rückte im Wochenvergleich um 2,1 Prozent vor.

«Die vorherrschende geopolitische Einschätzung der Finanzmarktteilnehmer lautete bislang, dass die Lieferketten wiederhergestellt sein würden, bevor eine physische Angebotsknappheit einsetzen würde», sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Insbesondere an den Aktienmärkten vertraue man zusätzlich auf Konjunkturimpulse aus dem Technologiesektor als Gegengewicht zu den Energiepreisbelastungen.

Mittlerweile setzten sich die Analysten allerdings verstärkt mit dem Risikoszenario einer anhaltenden Blockade der Liefermengen aus dem Persischen Golf ‌auseinander. Zugleich glaubten die Anleger offenbar nicht mehr an eine Eskalation der Kampfhandlungen, schreiben die Experten der LBBW. «Das begrenzt auch das Überraschungspotenzial nach oben.»

Die Nervosität zeigt sich derzeit vor allem am Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in diesem Monat von 4,378 auf ​4,556 Prozent gestiegen. Auch die Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit begaben sich in diesem Monat auf Achterbahnfahrt. Experten ​führen dies auf die Erwartung zurück, dass die hartnäckig erhöhten Energiepreise die Inflation weiter ​nach oben treiben und letztlich zu Zinserhöhungen wichtiger Notenbanken führen.

«Wir vermuten, dass das Protokoll zur jüngsten US-Notenbanksitzung hierzu einen Beitrag geleistet hat: Demnach stehen die US-Währungshüter kurz davor, ihre ‌bisherige Neigung zu einer erneuten geldpolitischen Lockerung zu begraben», schreiben die LBBW-Analysten. Es wachse zudem die Gruppe jener US-Notenbanker, welche eine Leitzinsanhebung explizit in Betracht ziehen, falls die Inflation länger erhöht bleibt.

Anleger blicken zudem ‌auf den US-PCE-Index für April, der am Donnerstag veröffentlicht wird. Dabei handelt es sich um ein für die Fed wichtiges Inflationsmass, das auf die persönlichen Ausgaben der Konsumenten bezogen ist. Im Fokus stehen zudem die Daten zum Verbrauchervertrauen in ‌den USA im Mai, die am Dienstag veröffentlicht werden. Am Mittwoch folgen die Zahlen für die ​Euro-Zone. Zum Wochenschluss warten Börsianer zudem auf Daten zum deutschen Arbeitsmarkt für diesen Monat.

Auf der Unternehmensseite stehen erneut zahlreiche Hauptversammlungen an - etwa der US-Giganten Merck & Co, Chevron, Exxon Mobil und Meta. In Deutschland lädt die Deutsche Bank zum jährlichen Investorentreffen ein.

(Reuters/cash)