Die deutschen Ausfuhren wuchsen im Dezember so stark wie seit über vier Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Dagegen haben die deutschen Unternehmen ihre Produktion trotz verbesserter Auftragslage spürbar gedrosselt.
Die Warenausfuhren legten im Dezember um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 133,3 Milliarden Euro zu. Das ist der grösste Zuwachs seit Oktober 2021, zu dem die wachsende Nachfrage aus den USA und China beitrug. Das kommt überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. Im November hatte es mit 2,5 Prozent den stärksten Rückgang seit rund anderthalb Jahren gegeben. «Die Exporte gleichen die Verluste aus dem Vormonat wieder aus», kommentierte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger, die Entwicklung.
«Trendumkehr kommt demnächst»
Weniger positiv fiel der Jahresabschluss in der Produktion aus: Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,9 Prozent weniger her als im Vormonat. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Zuwachs von revidiert 0,2 (vorläufiger Wert: 0,8) Prozent im November. «Der heutige Dämpfer für die Produktion folgt auf drei monatliche Anstiege in Folge», sagte der Ökonom der Förderbank KfW, Sebastian Wanke. Mit einem Plus von 0,9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal zeigt sich immer noch eine kräftige Dynamik im letzten Vierteljahr 2025. «Zusammen mit den hervorragenden Auftragseingängen, die erst mit Verzögerung produktionswirksam werden, dürfte die Trendumkehr bei der Produktion hierzulande demnächst vollzogen sein», sagte Wanke. «Das ist insgesamt ein solides Fundament, vielleicht sogar ein Sprungbrett für das Wachstum 2026.»
Im Gesamtjahr 2025 schrumpfte die Produktion um 1,1 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium hofft auf ein besseres Abschneiden im laufenden Jahr. «Der zuletzt kräftige, vor allem vom Inland getragene Anstieg der Auftragseingänge deutet auf eine fortgesetzte Erholung der Industrieproduktion in den kommenden Monaten hin», so das Ministerium. Die Industrieaufträge waren zuletzt vier Monate in Folge gestiegen, im Dezember sogar so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr.
China löst USA ab
Die Warenexporte wuchsen 2025 um 0,9 Prozent auf rund 1563 Milliarden Euro, die Importe um 4,3 Prozent auf 1362,5 Milliarden Euro. Die Aussenhandelsbilanz schloss mit einem Exportüberschuss von gut 200 Milliarden Euro ab, nachdem er 2024 noch 242,9 Milliarden Euro betragen hatte. China löste im vergangenen Jahr mit einem Aussenhandelsumsatz (Exporte + Importe) von 251,8 Milliarden Euro die USA als wichtigsten Handelspartner ab, die auf 240,5 Milliarden Euro kamen.
Die meisten Ausfuhren gingen im Dezember erneut in die USA. Dorthin wurden deutsche Waren im Wert von 11,8 Milliarden Euro geliefert. Das waren 8,9 Prozent mehr als im November, obwohl die von Präsident Donald Trump eingeführten hohen Zölle die Nachfrage nach Waren «Made in Germany» belasten. Das deutsche China-Geschäft wuchs ebenfalls: Die Ausfuhren in die Volksrepublik nahmen um 10,7 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zu. Die Exporte in die EU-Staaten stiegen um 3,1 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro.
Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich zu Jahresbeginn aufgehellt. Das Barometer für die Exporterwartungen stieg im Januar auf minus 1,2 Punkte, von minus 3,0 Zählern im Dezember, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter Managern mitteilte. «Auch wenn die Unternehmen weniger skeptisch bezüglich ihrer Auslandsgeschäfte sind, bleibt die Unsicherheit hoch», sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. «Für das erste Quartal 2026 fehlen klare Signale für einen Aufwärtstrend.»
(Reuters)

