Diese ⁠Straffung fiel allerdings geringer aus als im ersten Quartal und deutlich schwächer als von ⁠den Geldhäusern noch Anfang des Jahres erwartet, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag zu ihrer Umfrage ‌unter 159 Finanzinstituten mitteilte: «Der Ausgang der Verhandlungen zwischen den USA ‌und dem Iran ist weiterhin mit ​Unsicherheit behaftet, wobei die Banken ihre Einschätzungen im Verlauf der Gespräche anpassen», hiess es dazu weiter. Die Geldhäuser achteten weiterhin stark auf Risiken und beobachteten die Kreditrisiken insbesondere in den am stärksten betroffenen Sektoren genau.

Betrachtet man die grössten Länder des Euroraums, so ‌meldeten Banken in Deutschland, Spanien und Frankreich strengere Kreditvergabestandards für Unternehmen, während diese in Italien gelockert wurden. Für das laufende dritte Quartal erwarten die Banken im Euroraum eine weitere Straffung ​der Kreditvergabestandards, allerdings in moderaterem Tempo.

Die Nachfrage nach ​Unternehmenskrediten im Euroraum hat sich unterdessen im Frühjahr ​leicht verstärkt. Für das dritte Quartal erwarten die Banken einen moderaten Anstieg der Kreditnachfrage. Die Ergebnisse des ‌im Fachjargon als «Bank Lending Survey» (BLS) bekannten EZB-Berichts sind für die Währungshüter eine Orientierungshilfe für ihre Geldpolitik. Die EZB dürfte ihre Leitzinsen am Donnerstag unverändert lassen, so die Einschätzung des Research-Teams ​der ​Deutschen Bank. Die Ökonomen verweisen zugleich darauf, ⁠dass mit den jüngsten Preisanstiegen bei Öl ​und Gas die finanzmarktbasierten Erwartungen ⁠weiterer Leitzinserhöhungen wieder gestiegen seien. Eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt im September gelte als «nahezu sicher».

Die ‌EZB hatte den Leitzins bereits im Juni um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 Prozent nach oben gesetzt. Mit einer Inflationsrate von zuletzt 2,8 Prozent ‌verfehlen die Währungshüter ihre Zielmarke von 2,0 Prozent weiterhin deutlich. Sie ​wollen vermeiden, dass der vom wiederaufgeflammten Iran-Krieg angetriebene Anstieg der Energiekosten auf andere Preise übergreift und einen dauerhaften Inflationsschub auslöst.

(Reuters)