Sie sei «keine Kandidatin für irgendetwas», sagte sie am Donnerstagabend dem Sender Euronews ⁠mit Blick auf mögliche politische Ambitionen in ihrer Heimat Frankreich: «Aber mir ist sehr wichtig, dass Europa geschützt ‌ist, dass Europa der Rahmen bleibt, in dem ‌die Mitgliedstaaten handeln, auch Frankreich», fügte sie ​hinzu. In einem Interview mit der Zeitung «Les Echos» hatte sie jüngst den Willen zum Absolvieren ihrer vollen Amtszeit betont, einen vorzeitigen Rückzug von ihrem Posten jedoch nicht ausgeschlossen.

Auf die Frage, ob sie sich bei einer Beruhigung der Lage einen vorzeitigen Rückzug ‌vorstellen könne, um sich 2027 in den französischen Präsidentschaftswahlkampf einzubringen, sagte sie «Les Echos»: «Das ist möglich. Ich bin überzeugt, dass in der französischen Präsidentschaftsdebatte eine europäische Stimme gehört werden muss.»

Lagarde ​betonte nun in dem Euronews-Interview, sie verfolge die Kampagne in ​ihrem Heimatland mit Blick auf die für ​April 2027 angesetzte Präsidentschaftswahl genau. Sie hoffe, dass sich die Vernunft durchsetze und dass Frankreich – unabhängig ‌davon, wer künftig an der Staatsspitze stehe – seine Rolle als zentrales Mitglied Europas anerkenne.

Europa sei «die einzige Bühne, auf der Mitgliedstaaten, Nationen und eben auch Frankreich tatsächlich eine bedeutende Rolle ​spielen können», ​sagte Lagarde. Am Dienstag hatte ⁠die euroskeptische französische Rechtspopulistin Marine Le Pen erklärt, sie wolle ​2027 für das Präsidentenamt ⁠kandidieren - ungeachtet ihrer bestätigten Verurteilung wegen der Veruntreuung von EU-Geldern.

Nach Gerüchten um einen ‌vorzeitigen Rückzug hatte Lagarde noch im Februar ihre Absicht bekräftigt, ihre Amtszeit bis zum Ende zu absolvieren. Die «Financial Times» hatte berichtet, Lagarde wolle ihr ‌Amt als EZB-Präsidentin vorzeitig niederlegen, um dem scheidenden französischen Präsidenten ​Emmanuel Macron ein Mitspracherecht bei der Bestimmung ihrer Nachfolge zu geben. Lagardes reguläre Amtszeit läuft bis Ende Oktober 2027.

(Reuters)