Die Teuerungsrate habe bisher nahe am Ziel von zwei Prozent gelegen, hiess es am Freitag in einem IWF-Blog. Die EZB habe daher etwas mehr Spielraum, die Situation erst einmal zu beobachten und zu bewerten. Der IWF rechnet bis zum Ende des Jahres mit Zinserhöhungen um zusammen 0,5 Prozentpunkte: Wenn man die realen Leitzinsen konstant halten wolle, müsse man den nominalen Leitzins etwas anheben, sagte der Leiter der Europaabteilung des IWF, Alfred Kammer, der Nachrichtenagentur Reuters.
«Das würden unsere Modelle empfehlen, und wir gehen davon aus, dass auch die Modelle der EZB dazu tendieren», fügte er hinzu. Dies sei jedoch keine Empfehlung an die unabhängigen Währungshüter. Das Ganze sei vor dem Hintergrund der grossen Unsicherheit mit Blick auf die Folgen des Ölpreisschocks nicht in Stein gemeisselt: «Es ist lediglich eine modellbasierte Empfehlung, die auf der aktuellen Situation beruht», sagte der IWF-Experte.
Die Schliessung der Strasse von Hormus infolge des Nahost-Krieges hat das weltweite Öl- und Gasangebot um ein Fünftel reduziert, was weltweit zu einem rasanten Anstieg der Energiepreise und zu gesenkten Wachstumsprognosen sowie höheren Inflationserwartungen geführt hat. «Der Preisschock wird die Nachfrage dämpfen, und es könnte sogar so weit kommen, dass die Nachfrage durch den Preisschock so stark sinkt, dass ein Eingreifen der Zentralbank gar nicht mehr nötig ist», sagte Kammer.
Infolge der Ölkrise im Zuge des Nahost-Krieges war die Inflationsrate im Euroraum im März auf 2,6 Prozent nach oben geschnellt. Noch im Februar und damit vor Ausbruch des Militärkonflikts hatte die Teuerungsrate mit 1,9 Prozent unter dem Ziel der EZB von 2,0 Prozent gelegen. Laut EZB-Chefin Christine Lagarde ist die Zentralbank bereit zu handeln, wenn es die Datenlage erfordert. Die Finanzmärkte sehen derzeit nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt in diesem Monat. Eine Straffung könnte aus deren Sicht eher im Juni beschlossen werden. Derzeit liegt der Leitzins bei 2,0 Prozent.
(Reuters)

