Ungeachtet der seit Ausbruch des Irankrieges rasant gestiegenen Energiepreise wird in der EZB der Ruf ‌nach ⁠Geduld bei der Zinspolitik laut. Das litauische EZB-Ratsmitglied Gediminas Simkus ⁠argumentierte am Dienstag, dass die Zentralbank angesichts der aussergewöhnlichen Volatilität nicht bei ‌jeder Marktbewegung die Geldpolitik neu bewerten könne. ‌Es gelte, Ruhe zu ​bewahren und die Lage bei der nächsten Sitzung am 19. März neu zu bewerten: «Doch vorerst sollten wir unseren Kurs beibehalten», sagte Simkus auf einer Konferenz in Vilnius. Sein estnischer ‌Kollege Madis Müller plädierte auf derselben Veranstaltung ebenfalls für eine besonnene Reaktion. Die EZB müsse abwägen, ob der Energiepreisschock vorübergehend oder ​von längerfristiger Natur sei.

EZB-Chefin Christine Lagarde hatte zuletzt ​auf die geldpolitische Flexibilität der Notenbank ​verwiesen. Die EZB werde ihre Entscheidungen «auf Grundlage aller verfügbaren, analysierbaren und sorgfältig ‌zu prüfenden Daten» treffen. Der Ende Februar ausgebrochene Irankrieg hat die Energiekosten in die Höhe getrieben und schürt die Angst ​vor ​einer neuen Inflationswelle. An den ⁠Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Währungshüter ​auf der nächsten ⁠Sitzung stillhalten und womöglich im Laufe des Sommers die ‌Zinsen anheben könnten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins angesichts gesunkener Inflationsgefahr von Mitte 2024 bis Mitte ‌2025 in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent ​halbiert. Seither pausierte sie.

(Reuters)