«Wir müssen bereit sein, zu handeln, sobald wir über die notwendigen Informationen verfügen», sagte die Französin am Montagabend auf dem Jahresempfang des Bankenverbandes BdB in Berlin. Die EZB sei ihrem Mandat der Preisstabilität verpflichtet: Man werde sicherstellen, dass die Inflation auf mittlere Sicht auf zwei Prozent zurückgeführt werde. «Und wir werden so handeln, wie es die Situation erfordert», fügte sie hinzu. Die wirtschaftliche Lage lasse keinen Zweifel: Je länger der Nahost-Konflikt anhalte, desto mehr verschlechterten sich die Aussichten – und das nicht linear. «Daher ist die zeitliche Dauer der Schlüssel, um zu beurteilen, auf welches Szenario wir uns einstellen müssen.»
Sollte der Konflikt rasch beigelegt werden können, werde der direkte Energiepreisschock unter Umständen «am unteren Ende der Erwartungen» liegen – und die wirtschaftlichen Auswirkungen würden in Grenzen gehalten. «Die Aussichten bleiben freilich ungewiss, und negativere Entwicklungen sind nach wie vor möglich», warnte Lagarde.
Mit jedem Tag, an dem der Konflikt anhalte, werde die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage grösser, und umso mehr Zeit werde eine Normalisierung in Anspruch nehmen: «Und je länger die Störung andauert, desto weiter reichen ihre Folgen – nicht nur aufgrund höherer Energiekosten, sondern wegen des Verlusts kritischer Vorleistungen.»
Infolge der Ölkrise im Zuge des Nahost-Krieges war die Inflationsrate in der Euro-Zone im März auf 2,6 Prozent gestiegen. Noch im Februar und damit vor Ausbruch des Konflikts hatte die Teuerungsrate mit 1,9 Prozent unter dem Ziel der EZB von 2,0 Prozent gelegen. Die Finanzmärkte sehen derzeit nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung auf der Sitzung Ende des Monats. Eine Straffung könnte aus deren Sicht eher im Juni beschlossen werden. Dann wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihre aktualisierten Projektionen zum Wirtschaftswachstum und zur Inflation vorlegen. Derzeit liegt der Leitzins bei 2,0 Prozent.
(Reuters)

