Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen hat die EZB zuletzt keinen Handlungsdruck beim Justieren ihres Zinskurses verspürt. Dies geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Protokollen der jüngsten EZB-Ratssitzung vom Dezember hervor. Auch wenn das Umfeld unsicherer als üblich sei, biete das aktuelle Leitzinsniveau ausreichend Flexibilität, um auf Schocks zu reagieren. Dies ermögliche dem EZB-Rat, Geduld zu üben, was jedoch nicht mit Zögerlichkeit verwechselt werden sollte. «Insgesamt befand sich die EZB aus geldpolitischer Sicht in einer guten Position, was aber nicht bedeutete, dass ihre Haltung statisch ist», heisst es in den Mitschriften der Dezember-Sitzung.
Die Inflationsaussichten blieben unsicherer als üblich, zumal die Möglichkeit starker Inflations- und Wachstumsschocks in beide Richtungen bestehe. Daher sei es wichtig, dass der EZB-Rat für künftige Sitzungen volle Handlungsfreiheit bewahre und flexibel agiere, um gegebenenfalls schnell auf grössere Schocks reagieren zu können: «Die Kommunikation über den künftigen Zinspfad sollte daher weiterhin vorsichtig und unverbindlich bleiben.»
Die Währungshüter beliessen den Leitzins auf der letzten Ratssitzung des vorigen Jahres bei 2,0 Prozent. Angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten halbiert und seither die Füsse stillgehalten. Sie wird nach den Worten ihres Chefvolkswirts Philip Lane vorerst keine Zinsänderung debattieren, falls die Wirtschaft auf Kurs bleibt. Der Ire zeigte sich jüngst zuversichtlich, dass sich die Inflation im Euroraum nachhaltig bei zwei Prozent stabilisieren werde. Die Teuerungsrate im Euroraum lag im Dezember mit 1,9 Prozent knapp unter dem Zielwert der EZB von 2,0 Prozent, den die Währungshüter mittelfristig als ideal für die Wirtschaft ansehen.
