EZB-Ratsmitglied Martin Kocher hält die Aufwertung des Euro für ein direktes Spiegelbild der Dollar-Schwäche. «Wir sehen eigentlich keine Euro-Stärke, weil dafür haben wir zu schwaches Wachstum in Europa. Wir sehen eine Dollar-Schwäche, zum Teil auch gewünscht, möglicherweise politisch gewünscht», sagte der österreichische Notenbankchef am Freitag beim Klub der Wirtschaftspublizisten. Ein schwacher Dollar führe zu einer schwierigen Situation für europäische Exporteure, gleichzeitig womöglich zu niedrigeren Preisen bei Endprodukten.
Der Euro-Dollar-Wechselkurs sei eine der Variablen, die die Währungshüter der EZB stets im Auge hielten. «Eine der wichtigen Variablen, die wir beobachten, aber nur eine der Variablen», sagte der Chef der Österreichischen Nationalbank (OeNB). Der EZB-Rat hat sich nach den Worten seiner Präsidentin Christine Lagarde mit der Aufwertung des Euro beschäftigt. Man sei sich bewusst, dass der Wechselkurs sowohl für die Wachstums- als auch für die Inflationsaussichten wichtig sei, sagte sie nach dem Leitzinsbeschluss vom Donnerstag. Dabei beliess die Zentralbank den geldpolitischen Schlüsselsatz bei 2,0 Prozent.
Der Euro stieg Ende Januar erstmals seit 2021 über die Marke von 1,20 Dollar, wenn auch nur vorübergehend. Hintergrund ist eine anhaltende Schwäche des Dollar, die durch die US-Politik von Präsident Donald Trump und Spekulationen an den Finanzmärkten befeuert wird. Eine starke Währung verteuert Exporte und verbilligt zugleich Importe, was tendenziell das Wachstum dämpft und die Inflation drückt. Die Inflationsrate im Euroraum war zu Jahresbeginn mit einem Wert von 1,7 Prozent bereits unter die Zielmarke der EZB von 2,0 Prozent gefallen.
(Reuters)

