Denn die Inflation sei nach wie vor zu stark, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. "Es ist unwahrscheinlich, dass eine Abschwächung der Wirtschaft etwas gegen die Inflation ausrichten kann, die immer noch sehr hoch ist und ein hohes Risiko der Beharrlichkeit aufweist", führte er aus.
Die EZB hatte Mitte Juni die Zinssätze das achte Mal in Folge angehoben auf den höchsten Stand seit 22 Jahren. Zudem stellte EZB-Präsidentin Christine Lagarde für Juli eine weitere Erhöhung in Aussicht. Laut den jüngsten Prognosen der EZB-Volkswirte wird die Inflation voraussichtlich bis Ende 2025 über der von der Notenbank angestrebten Zielmarke von zwei Prozent liegen. Allerdings müssen die Währungshüter aufpassen, dass sie die Konjunktur nicht komplett abwürgen. In Deutschland, der grössten Volkswirtschaft der Euro-Zone, hat sich die Stimmung in der Wirtschaft zuletzt deutlich verschlechtert. Volkswirte warnen vor einer längeren Rezession.
"Meines Erachtens werden wir die Zinsen weiterhin anheben müssen, und ich glaube nicht, dass wir uns im Juli so wohlfühlen werden, um zu sagen: 'Wir sind durch'", sagte Kazaks. "Ich denke, dass die Zinsen über den Juli hinaus angehoben werden müssen, aber wann und um wie viel, wird von den Daten abhängen", fügte er hinzu. Der Einlagensatz, der an den Finanzmärkten aktuell der wichtigste Schlüsselzins ist, liegt inzwischen bei 3,5 Prozent. Am Geldmarkt wird aktuell damit gerechnet, dass die EZB ihn bis Jahresende auf 4,00 Prozent anheben wird.
Spekulationen am Finanzmarkt auf Zinssenkungen bereits in der ersten Hälfte 2024 sieht Kazaks skeptisch. Die Erwartung, dass die Zinsen schnell nach unten gehen werden, sei problematisch. "Meiner Meinung nach ist das falsch, und der Grund dafür ist, dass der Markt ein anderes Konjunkturszenario einpreist, bei dem die Inflation viel schneller zurückgeht", erläuterte er. Die erste Zinssenkung werde viel später erfolgen. Die Zinsen nach unten zu setzen, sei dann notwendig, wenn es ziemlich sicher sei, dass die Inflation beginne, das Ziel von zwei Prozent deutlich und anhaltend zu unterschreiten.
(Reuters)
