Trotz der Entspannung im Iran-Konflikt bleiben die Aussichten für die Wirtschaft der Euro-Zone laut EZB-Ratsmitglied Fabio Panetta fragil. ‌Die ⁠Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran könnten zwar zu niedrigeren Energiepreisen ⁠führen, als von der EZB in ihren Basisprojektionen vom Juni angenommen, sagte der ‌italienische Notenbankchef am Dienstag auf einer Forschungskonferenz in ‌Rom. Doch gebe es Aufwärtsrisiken für ​die Inflation, ebenso wie Abwärtsrisiken für das Wachstum. Dies erfordere eine ständige Beobachtung der geopolitischen Entwicklungen, der Energiemärkte, der Lieferketten, der Löhne und der Inflationserwartungen: «Zudem darf sich die Geldpolitik nicht auf einen ‌vorgegebenen Pfad festlegen», betonte Panetta.

Die Entspannung im Iran-Konflikt dämpft die Inflation und nimmt der EZB den Druck, die Zinszügel rasch weiter anzuziehen. Waren und ​Dienstleistungen verteuerten sich im Euroraum im Juni nur noch ​um durchschnittlich 2,8 Prozent, nach ​einer Inflationsrate von 3,2 Prozent im Mai. Mit den Friedenssignalen in dem Konflikt sind ‌die Ölpreise am Weltmarkt mittlerweile wieder auf das Vorkrisenniveau gesunken.

Laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel bedeutet der Rückgang der Ölpreise nicht, dass man zur Vorkriegssituation zurückgekehrt ​sei. ​Das Friedensabkommen sei brüchig, die Erdgaspreise ⁠lägen noch immer rund 40 Prozent ​höher als vor ⁠dem Krieg und neue Schocks wie die Hitzewelle in Europa oder ‌das Wetterphänomen Super-El-Nino könnten die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben. Die EZB entscheidet am 23. Juli und danach am 10. ‌September über den Leitzins. Auf der übernächsten ​Sitzung im September werden dann auch die aktualisierten Prognosen des EZB-Stabs vorgelegt.

(Reuters)