Der Nahostkrieg wird die EZB nach Ansicht des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau vorerst nicht aus der Reserve locken. Das EZB-Ratsmitglied erklärte am Donnerstag, er sehe trotz des anhaltenden Konflikts keinen Grund für eine Zinserhöhung durch die EZB und die Finanzstabilität sei derzeit nicht gefährdet. Wir werden die nächsten Sitzungen abwarten, aber im Moment sehe ich keinen Grund«, sagte er in einem Interview mit dem französischen Radiosender France Inter. Er fügte hinzu, der Konflikt könne zwar die Inflation ankurbeln und das Wachstum dämpfen, das genaue Verhältnis hänge jedoch von der Dauer der Situation ab.
Nach Einschätzung des designierten Wirtschaftsweisen Gabriel Felbermayr wird ein länger anhaltender Nahostkrieg die EZB allerdings unter Zugzwang bringen. »Wenn der Irankrieg nicht schnell vorbeigeht, muss die EZB reagieren«, sagte der Wiener Ökonom dem »Handelsblatt« vom Donnerstag und fügte hinzu: »Klar ist: Die alte Maxime, kurzfristige Energiepreisschocks einfach zu ignorieren und sich auf langfristige Inflationsprognosen zu verlassen, ist gescheitert und wäre jetzt brandgefährlich." Zinserhöhungen dürften für die EZB kein Tabu sein, wenn es hart auf hart komme.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins im Februar weiter konstant gehalten, zugleich aber ihre Flexibilität angesichts der unsicheren geopolitischen Lage betont. Nach dem Ausbruch des Nahost-Krieges Ende Februar und dem Anstieg der Energiepreise erscheint diese Positionierung in neuem Licht. Viele Experten erwarten zwar, dass die EZB weiter pausieren wird, doch ihr nächster Schritt perspektivisch eine Erhöhung sein könnte.
(Reuters)

