«Eine geldpolitische Straffung im Juni ‌ist ⁠so gut wie unvermeidlich», sagte der slowakische Notenbankchef am Montag. Als Grund nannte ⁠er den Iran-Krieg, der für hohe und schwankungsanfällige Energiepreise sorge. Man müsse sich auf eine ‌längere Phase breit angelegter Preissteigerungen bei gleichzeitig schwächerem ‌Wachstum im Euroraum einstellen. Die höheren Energiepreise ​würden sich unweigerlich auf die übrige Wirtschaft ausbreiten.

Die EZB hatte ihre Zinsen zuletzt nicht angetastet. Der für die Geldpolitik massgebliche Einlagensatz liegt derzeit bei 2,0 Prozent. Die Inflation im Euroraum war im April jedoch auf ‌drei Prozent gestiegen und liegt damit klar über der Marke von zwei Prozent, die die EZB mittelfristig als ideal für die Konjunktur im Euroraum sieht. Kazimir ​zufolge sind weitere Anstiege wahrscheinlich. Die Notenbank warte auf ​weitere Daten, um die genauen wirtschaftlichen Auswirkungen ​zu verstehen. Die EZB-Prognosen im Juni würden mehr Aufschluss darüber geben, was dies für die ‌Geldpolitik bedeute. Kazimir warnte zudem die Regierungen der Euro-Länder davor, mit schlecht konzipierten fiskalischen Massnahmen «das Inflationsfeuer weiter anzufachen».

Der scheidende französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hingegen ​dämpfte ​die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung ⁠eher. Bevor die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer Anhebung ​der Leitzinsen beginne, ⁠benötige sie klare Beweise dafür, dass sich der Inflationsdruck verfestige. «Vor einer möglichen Straffung ‌ist es notwendig, eine kritische Masse an Daten zu sammeln», schrieb der Präsident der französischen Zentralbank in einem jährlichen Brief ‌an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Villeroy gilt als ​sogenannte «Taube» im EZB-Rat und plädiert für eine lockere Geldpolitik.

(Reuters)