EZB-Direktorin Isabel Schnabel mahnt angesichts des jüngsten Energiepreisschocks durch den Nahost-Konflikt zur Wachsamkeit. Die Geldpolitik sei zwar «weiterhin gut aufgestellt», sagte sie am Freitag auf dem US Monetary Policy Forum in New York: «Wir dürfen uns jedoch nicht in Sicherheit wiegen. Wir müssen wachsam bleiben, da das aktuelle geopolitische und makroökonomische Umfeld Aufwärtsrisiken für die Inflation im relevanten Zeithorizont birgt.» Es gelte, die Dauer des Energiepreisschocks genau zu beobachten - ebenso die Auswirkungen auf die Inflationserwartungen und jegliche Anzeichen dafür, dass Unternehmen höhere Inputkosten an ihre Kunden weitergeben.
Die Inflation im Euroraum werde mittelfristig voraussichtlich im Zielbereich von zwei Prozent landen: «Kurzfristig macht der jüngste Anstieg der Energiepreise infolge der Spannungen im Iran den Inflationsverlauf unsicherer», erklärte die deutsche Ökonomin. Solange Abweichungen vom Inflationsziel jedoch vorübergehend und gering ausfielen und überdies stabile Inflationserwartungen vorlägen, seien sie für geldpolitische Entscheidungen nur von begrenzter Relevanz.
Der Ende Februar ausgebrochene Krieg der Verbündeten USA und Israel gegen den Iran hat sich auch auf andere Golfstaaten ausgeweitet. Wichtige Öllieferrouten sind blockiert, die Energiepreise steigen. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat bereits vor den Folgen eines länger andauernden militärischen Konflikts gewarnt. In diesem Fall könne die Wirtschaft ausgebremst und die Inflation in der Euro-Zone angeheizt werden. Geldmarkthändler stellen sich darauf ein, dass die Zinsen in diesem Jahr angehoben werden, womöglich bereits im Sommer.

