Dies geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Protokollen der jüngsten Ratssitzung von Anfang Februar hervor. Darin verweisen die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde darauf, dass das derzeitige Zinsniveau «ausreichende Flexibilität» biete, um auf eventuelles Störfeuer von aussen zu reagieren. Man halte sich alle Optionen in beiden Richtungen bei den Zinsen für künftige Sitzungen offen. Zugleich bleibe der Ausblick ungewiss, insbesondere aufgrund der anhaltenden Unsicherheit in der globalen Handelspolitik und der geopolitischen Spannungen.
«Diese Unsicherheit könnte es auch rechtfertigen, die Zinssätze unverändert zu lassen, um die Entwicklung der verschiedenen Risiken in den kommenden Monaten abzuwarten», heisst es in den Protokollen der Februar-Sitzung, bei der die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins bei 2,0 Prozent beliess. Sie konstatierte damals, die Inflationsaussichten blieben weiterhin gut.
Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist nun ein solcher Schock für die Weltwirtschaft eingetreten. Wichtige Öllieferrouten sind blockiert, die Energiepreise steigen. Ein längerer Krieg im Nahen Osten könnte laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation in der Euro-Zone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. Laut EZB-Vizepräsident Luis de Guindos ist jedoch das Basisszenario, dass der Krieg nur von kurzer Dauer ist. «Sollte es länger andauern, besteht das Risiko, dass sich die Inflationserwartungen ändern», warnte der Spanier auf einer Veranstaltung in Brüssel.
Bundesbankchef Joachim Nagel betonte in Frankfurt, mit Blick auf die Inflation bleibe die EZB auf der Hut. Der EZB-Rat sei entschlossen, die Inflation nachhaltig beim Ziel von zwei Prozent zu stabilisieren. Das sei die zentrale geldpolitische Aufgabe 2026. Dafür sei der EZB-Rat mit den Leitzinsen aktuell richtig positioniert, bleibe aber wachsam: «Sollte sich das Inflationsbild substanziell ändern, sind wir in einer guten Lage, um darauf reagieren zu können.» In diesem Zusammenhang verwies er angesichts des Ende Februar ausgebrochenen militärischen Konflikts im Nahen Osten darauf, dass es noch zu früh sei, aus der «volatilen Lage» geldpolitische Schlussfolgerungen zu ziehen.
(Reuters)

