EZB-Präsidentin Christine Lagarde verwies am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf einen ‌jüngst gefassten Beschluss ⁠des EZB-Rats. Ziel der Öffnung ist es, das Risiko von Störungen auf den Euro-Finanzierungsmärkten ausserhalb des Euroraums ⁠zu verringern.

Die EZB-Initiative fällt in eine Zeit, in der viele Investoren den Status des Dollar als Weltreservewährung wegen der als sprunghaft empfundenen ‌US-Handelspolitik neu bewerten. Die EZB müsse sich auf ein volatileres Umfeld ‌einstellen, sagte Lagarde. Mit einer zunehmend aggressiven Industriepolitik, steigenden geopolitischen ​Spannungen und gestörten Lieferketten dürften Finanzmarktspannungen häufiger auftreten. «Wir müssen eine Situation vermeiden, in der diese Spannungen zu Notverkäufen von auf Euro lautenden Wertpapieren auf den globalen Finanzierungsmärkten führen», betonte Lagarde.

Das bedeute, dass man Partnern, die in Euro handeln möchten, die Gewissheit geben müsse, dass Euro-Liquidität verfügbar sein werde, falls sie diese benötigten. Die im ‌Fachjargon als Eurep bekannte Liquiditätslinie der Europäischen Zentralbank steht derzeit nur wenigen Nachbarländern der Euro-Zone zur Verfügung, darunter EU-Staaten wie Rumänien und Ungarn sowie Nicht-EU-Staaten wie Albanien, Kosovo und Montenegro. Die Ausweitung soll im dritten Quartal greifen. ​Zentralbanken ausserhalb des Euroraums können dann bis zu 50 Milliarden Euro gegen auf Euro ​lautende marktgängige Sicherheiten aufnehmen.

Vertraulichkeit bleibt gewahrt

Die erweiterte Fazilität biete dauerhafte ​Sicherheit: «Zentralbanken ausserhalb der Euro-Zone können sich nun auf einen kontinuierlichen Zugang zu Liquidität in Euro verlassen, nicht nur auf temporäre Kreditlinien», ‌betonte die EZB-Chefin. Sie erweitere überdies den Geltungsbereich: Alle Zentralbanken, die die grundlegenden Kriterien erfüllen, können laut der EZB den Zugang beantragen - es sei denn, sie sind insbesondere wegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder internationalen Sanktionen davon ausgeschlossen. Laut Lagarde ​wird ​der Zugang standardmässig gewährt, sollte kein Grund für eine ⁠Einschränkung bestehen. Dadurch werde die Liquiditätsbereitstellung beschleunigt.

Diese erweiterte Liquiditätslinie stärke zudem die ​Rolle des Euro. «Die Verfügbarkeit eines ⁠Kreditgebers letzter Instanz für Zentralbanken weltweit stärkt das Vertrauen in Investitionen, Kreditaufnahme und Handel in Euro, da der ‌Zugang auch bei Marktturbulenzen gewährleistet ist», sagte Lagarde. Dabei bleibt Vertraulichkeit gewahrt. Im neuen Eurep-Rahmenwerk veröffentlicht die EZB keine Informationen mehr darüber, welche Zentralbanken ihre Repo-Linien in Anspruch genommen haben. Stattdessen stellt ‌sie wöchentliche Angaben zu den gesamten Inanspruchnahmen von Euro-Liquidität über alle Repo-Linien hinweg ​bereit. Eurep - das Kürzel steht für Repo-Fazilität des Eurosystems für Zentralbanken - wurde 2020 als vorsorgliche Absicherung ins Leben gerufen, um pandemiebedingtem Bedarf an Euro-Liquidität ausserhalb des Euroraums Rechnung zu tragen. 

(Reuters)