Die EZB sieht die Zusammenarbeit mit der US-Notenbank auch nach der Attacke der US-Justiz auf Fed-Chef Jerome Powell nicht beeinträchtigt. EZB-Vizepräsident Luis de ‌Guindos ‌bekräftigte in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit «Politico» zugleich seine Unterstützung für den Grundsatz der Zentralbankunabhängigkeit. De Guindos wurde gefragt, ob die Europäische Zentralbank angesichts der Versuche der Trump-Regierung, ​Powell aus dem Amt zu drängen, der Fed im ‌Falle einer Finanzkrise weiter als Partner vertrauen ‌könne: «Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Zusammenarbeit mit der Federal Reserve bisher normal und wie gewohnt verlaufen ist», sagte der Stellvertreter von EZB-Chefin Christine Lagarde.

Der Spanier fügte hinzu: «Swap-Linien zwischen der Fed und anderen Zentralbanken sowie die Dollar-Lieferungen sind ⁠positiv für die Finanzstabilität beiderseits des Atlantiks, und deshalb gehen wir davon aus, dass diese Zusammenarbeit fortgesetzt wird.» Eine sogenannte Swap-Linie ist eine Vereinbarung zwischen zwei Zentralbanken zum Währungstausch. ​Sie ermöglicht es einer Zentralbank, Devisenliquidität von der ausstellenden ‌Zentralbank zu erhalten – in der Regel, um diese ‍an inländische Geschäftsbanken weiterzugeben.

Trump plant keine Entlassung von Powell

US-Präsident Donald Trump hegt nach eigenen Worten vorerst keine ​Pläne, Powell trotz strafrechtlicher Ermittlungen zu entlassen. «Ich habe keinen Plan, das zu tun», sagte Trump am Mittwoch in einem Reuters-Interview. Es sei jedoch zu früh, um zu ‌sagen, was er letztendlich tun werde. Trump ⁠deutete an, dass er geneigt ist, entweder den ‌ehemaligen Fed-Direktor Kevin Warsh oder den Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, Kevin Hassett, als Nachfolger Powells zu nominieren. ‍Er werde in den kommenden Wochen eine Entscheidung bekanntgeben.

Das Justizministerium hat gegen Powell wegen Kostenüberschreitungen bei einem 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierungsprojekt am ​Sitz der Fed in Washington Ermittlungen eingeleitet. Powell, der die ‍Untersuchung am Sonntag öffentlich gemacht hatte, weist die Vorwürfe zurück. Er bezeichnete das Vorgehen als Vorwand, um ihn wegen der von Trump seit langem geforderten Zinssenkungen unter Druck zu setzen.

(Reuters)