Entsprechende Signale kamen zu Wochenbeginn aus der Führungsetage der Europäischen Zentralbank (EZB). Chefvolkswirt Philip Lane sagte am Montag, eine weitere Anhebung erscheine für Juli angemessen. Mit Blick auf die übernächste Sitzung wollte er sich allerdings noch nicht aus dem Fenster lehnen.
Die EZB lasse sich bei ihren Entscheidungen von der Datenlage leiten und der September sei noch "weit weg". Wegen der hartnäckig hohen Inflation gilt es laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel, den Straffungskurs mit Weitsicht voranzutreiben. Die Zinsen müssten weiter steigen.
Die US-Notenbank Federal Reserve hatte vorige Woche nach zehn Zinsschritten in Folge erstmals eine Pause eingelegt, um Zeit zum Sichten weiterer Konjunktur-Daten zu gewinnen. Nach der Rast auf dem Weg zum Zinsgipfel könnte sich die Fed allerdings noch weiter nach oben bewegen. Die EZB hat ihrerseits gerade ihren achten geldpolitischen Schritt in Folge gemacht und den an den Finanzmärkten richtungsweisenden Einlagesatz um 0,25 Prozentpunkte auf 3,50 Prozent angehoben.
Die Fortsetzung der Serie dürfte am 27. Juli folgen. Schnabel verwies darauf, dass auch der Internationale Währungsfonds (IWF) eine klare Empfehlung abgegeben habe: Wenn die Dauer der Inflation ungewiss sei, sprächen Überlegungen zum Risikomanagement für einen strafferen geldpolitischen Kurs. Dieser wirke praktisch wie eine Versicherung gegen die Gefahr, dass sich die Inflation im späteren Verlauf verfestige.
Noch mehr Zinserhöhungen nach Juli?
Es sei damit in der Güterabwägung günstiger, jetzt geldpolitisch mehr zu tun, damit die Zentralbank nicht später gegen einen verfestigten Preisdruck ankämpfen müsse. Mit einem entschlossenen Vorgehen könne man solche "teuren geldpolitischen Fehler" vermeiden. Aus Sicht mehrerer Währungshüter müssen die Zinsen womöglich auch nach der bereits von EZB-Chefin Christine Lagarde in Aussicht gestellten Anhebung im Juli weiter steigen.
Die Inflationswelle ist trotz der Serie von Zinserhöhungen noch längst nicht gebrochen. Die Verbraucherpreise stiegen im Euroraum im Mai binnen Jahresfrist um 6,1 Prozent, nach 7,0 Prozent im April. Das EZB-Inflationsziel liegt bei nur zwei Prozent. Die Kernrate sank im Mai nur leicht von 5,6 auf 5,3 Prozent. Sie gilt als guter Indikator für die zugrundeliegenden Inflationstrends und wird daher von der EZB besonders beobachtet.
"Trotz der erfreulichen Trendwende in der Inflationsentwicklung bleibt der Weg zu nachhaltiger Preisstabilität ungewiss und mit Risiken behaftet", so Schnabels Fazit.
Die EZB muss die geldpolitischen Zügel vor diesem Hintergrund laut Ratsmitglied Peter Kazimir ohne Wenn und Aber weiter anziehen. "Eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung ist der einzige vernünftige Weg nach vorn", erklärte der slowakische Notenbankchef in einem Blog. Alles andere komme nicht infrage.
Im Juli müsse der Leitzins weiter erhöht werden. Es gelte, weiter auf restriktives geldpolitisches Niveau vorzudringen - also eine Höhe der Leitzinsen, die die Wirtschaft und damit auch den Preisauftrieb bremse.
(Reuters)

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Wie geht es weiter?
"Es war für niemanden eine Offenbarung, dass die EZB ihren Einlagenzins um 25 Basispunkte auf 3,50 % angehoben hat. Aber wie Bas und Elwin in ihrem Kommentar nach dem Treffen anmerken, lag die Überraschung in ihren Prognosen. Der Anstieg der Expertenprognosen sowohl für die Gesamtinflation als auch insbesondere für die zugrunde liegende Inflation verlieh der politischen Entscheidung eine restriktivere Note. Nach Angaben der EZB spiegelt diese Revision vor allem die anhaltend guten Aussichten für den Arbeitsmarkt wider. Da die Prognosen jedoch eine Forward-Kurve beinhalten, um die Auswirkungen der künftigen Geldpolitik abzubilden, ist dies auch ein klares Signal dafür, dass die EZB glaubt, mehr tun zu müssen, als der Markt eingepreist hat."
"Investors Want (Read: Have) To Add More Risk As The VIX Falls To A Three Year Low"
BY TYLER DURDEN
FRIDAY, JUN 16, 2023 - 03:45 PM
By Stefan Koopman, Senior Macro Strategist at Rabobank
"Auch wenn in der offiziellen Erklärung noch einmal bekräftigt wird, dass „der EZB-Rat weiterhin einen datenabhängigen Ansatz verfolgen wird“, erklärte Präsidentin Lagarde, dass „es sehr wahrscheinlich ist, dass wir die Zinsen im Juli anheben werden, sofern es nicht zu einer wesentlichen Änderung des Basisszenarios kommt.“ .“ Die vollständige Abschaffung der Forward Guidance bleibt offenbar weiterhin schwierig, aber es stimmt natürlich, dass eine Zinserhöhung im Juli auf 3,75 % ohnehin bereits allgemein erwartet worden war. Wir rechnen weiterhin mit einer längeren Beibehaltung danach, beachten jedoch, dass die Risiken einer noch weiteren Verschärfung gestiegen sind."
"Investors Want (Read: Have) To Add More Risk As The VIX Falls To A Three Year Low"
BY TYLER DURDEN
FRIDAY, JUN 16, 2023 - 03:45 PM
By Stefan Koopman, Senior Macro Strategist at Rabobank
"Tatsächlich, wie Frau Lagarde wiederholte, „hat die EZB noch einiges zu tun.“ Obwohl die eigenen Untersuchungen der Zentralbank (siehe hier, Folie 6) zeigen, dass die Stückgewinne im Laufe des Jahres 2022 in allen Wirtschaftszweigen gestiegen sind, macht die EZB weiterhin die Arbeitnehmer für die hohe Inflation verantwortlich. Laut Frau Lagarde ist die Revision der Kerninflation zu einem großen Teil auf die Lohnstückkosten zurückzuführen, stellte jedoch auch schnell fest, dass die EZB noch keine Lohn- und Preisspirale sieht, die einen Zweitrundeneffekt auslösen würde. Obwohl also die meisten Arbeitnehmer noch keine realen Lohnsteigerungen verzeichnen konnten, werden sie bereits aufgefordert, sich mit diesem Wohlfahrtsverlust abzufinden und den Verteilungsschmerz zu ertragen."
"Investors Want (Read: Have) To Add More Risk As The VIX Falls To A Three Year Low"
BY TYLER DURDEN
FRIDAY, JUN 16, 2023 - 03:45 PM
By Stefan Koopman, Senior Macro Strategist at Rabobank
"Auch Sozialprogramme sind gescheitert.
Zinserhöhungen haben nicht zu einer Abschwächung der Wirtschaft in der Eurozone geführt; riesige staatliche Ausgabenpläne haben. Außer der Rückkehr des Tourismus gibt es keine erkennbare Verbesserung der Produktivität oder der Schaffung von Arbeitsplätzen und schon gar keinen fiskalischen Multiplikator. Der Wachstumstrend ist einfach wieder auf dem Niveau von Dezember 2019, wobei die Eurozone am Rande einer Rezession steht, aber eine deutlich höhere Schuldenlast aufweist.
Die Bilanz der G4-Zentralbanken ist gerade um kleine 9,5 % gesunken, nachdem sie im Zeitraum 2020–2021 um 78 % gestiegen war. Zinserhöhungen haben nur die wirtschaftliche Fehlentwicklung der Negativzinsen korrigiert. Die Normalisierung der Geldpolitik vollzieht sich langsam und die Zentralbanken bleiben äußerst akkommodierend. Einige Anleger erwarten möglicherweise eine Fata Morgana-Erholung von Regierungsprogrammen, die nachweislich mehrfach keine wirkliche Verbesserung hervorgebracht haben, aber dazu wird es nicht kommen."
Global Economic Surprise Plummets As Eurozone Enters Recession
BY TYLER DURDEN
MONDAY, JUN 19, 2023 - 11:10 AM
Authored by Daniel Lacalle,