Facebook, Amazon und Co. - Bei welchen «FANG»-Aktien können Anleger nun zuschlagen?

Die Internet-Aktien Facebook, Amazon, Netflix und Google stehen seit Ende Juli erheblich unter Verkaufsdruck. Bei welchen Titeln sich nun Kaufgelegenheiten bieten.
29.08.2017 23:02
Von Pascal Züger
Ein Amazon-Fresh-Pickupkiosk in Seattle, Washington.
Ein Amazon-Fresh-Pickupkiosk in Seattle, Washington.
Bild: Bloomberg

Sie sind ein Symbol und Gradmesser für das Wachstum des Technologiesektors und haben die US-Börse in den letzten zwei Jahren erheblich angetrieben. Geraten sie unter Verkaufsdruck, fürchten sich Anleger vor einem Börsengewitter. Dann erinnern sich Anleger auch an den Aufstieg und Fall bei der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

Die Rede ist von den FANG-Aktien. Das Akronym steht für die die US-Firmen Facebook, Amazon, Netflix und Alphabet, die Muttergesellschaft von Google. Sie alle sind in relativ kurzer Zeit enorm stark gewachsen, was sich auch an der Börse mit einem kräftigen Anstieg manifestierte. Die Börsenkurse preisen aber auch bereits erhebliche Wachstumsfantasien ein. Dividenden zahlt bisher keine dieser Firmen aus.

Seit Ende Juli 2017 ist bei den Aktienkursen dieser Firmen etwas der Wurm drin, wie etwa am Beispiel der Amazon-Aktie zu sehen ist. Der Titel verzeichnet derzeit eine Baisse, wie sie seit letztem Herbst nicht mehr zu verzeichnen war.

Entwicklung der Amazon-Aktie in den letzten 52 Wochen, Quelle: cash.ch

Zwar weist Amazon in diesem Jahr noch immer eine ansehnliche Performance von plus 26 Prozent auf, der letzte Monat ist mit minus 10 Prozent jedoch enttäuschend. Den anderen FANG-Aktien geht es ähnlich (siehe Tabelle unten). Bietet die Korrektur eine Einstiegsmöglichkeit, oder droht ein noch tieferer Fall?

So viel vorneweg: Bei Alphabet drängt sich am ehesten ein Investment auf, während die Netflix-Titel absturzgefährdet sind.

Facebook - der Analystenliebling

Im Mai 2012 ging Facebook zum Preis von 38 Dollar pro Aktie an die Börse. Zwei Monate später war der Titel nicht einmal mehr halb so viel Wert. Der Börsengang wurde von vielen bereits als grosser Fehler angesehen. Doch ab Juli 2013 setzte die Aktie zum Höhenflug an. Von damals bis heute hat sich der Kurs fast versiebenfacht - aktuell kostet die Aktie 167 Dollar. Facebook hat es geschafft, durch Werbung aus dem für User kostenlosen sozialen Netzwerk Geld zu generieren. Und mit geschickten Zukäufen konnten die Userzahlen in den vergangenen Jahren sukzessive erhöhte werden: So gehören der digitale Fotodienst Instagram und der Messenger-Dienst WhatsApp zu Facebook.

Auch künftig dürften die Werbeeinnahmen weiter sprudeln. Mit über 2 Milliarden Facebook-Usern weltweit hat der Konzern die dazu notwendige Basis. Der Titel ist der Analystenliebling unter den FANG-Werten. 93 Prozent der Analysten empfehlen zum Kauf. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2017 von 32 scheint der Titel zwar teuer, aber nicht massiv überteuert. Der Rückschlag von 3 Prozent im letzten Monat bewegte sich in etwa mit dem Gesamtmarkt. Anleger können weiterhin auf Facebook-Titel setzen.

Amazon - Kritik von Donald Trump

Wie eingangs gesehen hat die Amazon-Aktie im letzten Monat mit minus 10 Prozent deutlich an Wert eingebüsst. Der Online-Händler konnte im zweiten Quartal mit einem Gewinnrückgang von mehr als drei Viertel auf 197 Millionen Dollar die Anleger nicht überzeugen. Der Einbruch der Aktie erfolgte unmittelbar nach einem neuen Rekordhoch von 1083 Dollar.

Amazon-Chef und -Gründer Jeff Bezos ist berühmt und berüchtigt dafür, dass er viel Geld für neue Geschäftsfelder ausgibt - auf Kosten des Gewinns. Derzeit werden viele Mittel in die übernommene Bio-Supermarktkette Whole Foods Market investiert, um das Online-Geschäft mit frischen Lebensmitteln auszubauen. Kein geringerer als US-Präsident Donald Trump störte sich in einem Tweet an Amazons neuem Fokus:

"Amazon fügt den steuerzahlenden Einzelhändlern grossen Schaden zu. Kleinstädte, Städte und Staaten in der ganzen USA leiden darunter – viele Jobs gehen verloren", wetterte der Präsident auf Twitter. Der US-Handelsriese Walmart verkündete letzte Woche zudem einen Schulterschluss mit Google (cash berichtete). Der Online-Markt für Lebensmittel wird künftig also hart umkämpft sein. Ein Kauf der Amazon-Aktie drängt sich daher nicht unbedingt auf. Zumal auch die Aktie mit einem geschätzten KGV 2017 von 244 trotz Korrektur noch immer extrem teuer bewertet ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Korrekturen bei Amazon noch deutlicher ausfallen können als die derzeitige.

Netflix - Disney-Abgang und wachsende Konkurrenz

Der Erfolg des Online-Streamingdienstes Netflix hängt von der Zahl der Abonnenten ab. Und diese entwickeln sich ziemlich gut:  Aktuell zählt Netflix weltweit 104 Millionen Kunden, bis Ende des aktuellen Quartals sollen es dann gemäss eigener Zielsetzung 108,35 Millionen sein. Trotzdem erlitt die Aktie im letzten Monat mit minus 13 Prozent den stärksten Kurseinbruch aller FANG-Titel.

Der Kursrückgang hat mit der überraschenden Nachricht zu tun, dass Disney den bisherigen Exklusiv-Vertrag mit Netflix 2019 auflösen will und einen eigenen Online-Streamingservice auf die Beine stellen wird. Dabei hat Netflix auch sonst bereits mit genügend Konkurrenz zu kämpfen: In den USA machen dem Unternehmen Amazon, Apple und HBO den Markt streitig. Seit dem Börsengang im Mai 2002 hat die Netflix-Aktie – damals fokussierte sich die Firma noch auf den Versand von DVDs – ihren Wert um das 147-fache gesteigert. Mit einem aktuellen KGV 2017 von geschätzten 287 ist die Aktie trotz Korrektur noch immer massiv überteuert. Gut möglich, dass sich der Abwärtstrend fortsetzen wird.

Alphabet - In Zukunftsbranchen gut positioniert

Vor drei Monaten lieferten sich Alphabet und Amazon ein Wettrennen um die Marke von 1000 Dollar pro Aktie - welches Amazon knapp für sich entschied. Alphabet hat im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten, vor allem wegen der milliardenschweren Strafe der EU-Kommission aufgrund regelwidriger Ausnutzung der Marktmacht bei Produkt-Anzeigen in Suchergebnissen. Aber auch das Werbegeschäft der Suchmaschine Google, die wichtigste Einnahmequelle von Alphabet, zeigt gewisse Schwächen. 

Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, schliesslich ist Alphabet noch immer ausgezeichnet aufgestellt. Google ist unbestritten die Nummer eins unter den Suchmaschinen, zudem mischt der Mega-Konzern in vielen anderen Bereich vorne mit. So bringt etwa das zu Alphabet gehörende Online-Videoportal Youtube weiterhin saftige Werbeerlöse. Es wird auch gezielt in vielversprechende Zukunftsbranchen investiert: Selbstfahrende Autos, Virtual Reality, lebensverlängerende Medikamente oder Google Cloud sind Themen, die uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen werden. Eine Aktie, die Anlegern noch viel Freude bereiten könnte.

Kursentwicklung und Bewertung der FANG-Aktien

Titel Aktienkurs, 1 Monat Aktienkurs seit 1.1.17 KGV 2017* Kaufempfehlungen**
Facebook -3% +45% 32 93%
Amazon -10% +26% 244 83%
Netflix -13% +34% 287 64%
Google (Alphabet) -4% +17% 31 89%
NASDAQ 100 -2% +20% - -

*Geschätztes Kurs/Gewinn-Verhältnis im Jahr 2017, ** Verhältnis Kaufempfehlungen zu allen verfügbaren Analystenbewertungen

Quellen: cash.ch und nasdaq.com