Die Partizipationsscheine von Lindt & Sprüngli stehen am Dienstagmorgen unter Druck und verlieren 0,96 Prozent auf 124'400 Franken. Damit wird der Kursaufschwung von Ende Januar gebremst. Der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index fällt derweil noch deutlicher um 2,14 Prozent auf 18'621,5 Punkte. Seit Jahresbeginn verzeichnen die Valoren dennoch ein Plus von 8,7 Prozent, auf Jahresfrist steht gar ein Zuwachs von über 10 Prozent zu Buche.
Auslöser des Kursrückgangs ist eine Herunterstufung durch die US-Investmentbank Morgan Stanley. Analyst David Roux senkt das Rating auf «Underweight» von «Equal Weight» und reduziert das Kursziel deutlich auf 108'500 von 125'500 Franken - ein Abwärtspotential von fast 13 Prozent zum aktuellen Kurs.
Als Grund nennt er den beispiellosen Rückgang der Kakaopreise, der die Akteure entlang der Wertschöpfungskette unterschiedlich treffe. Zwar seien sinkende Inputkosten grundsätzlich mit Margenvorteilen für Hersteller verbunden. Doch die Geschwindigkeit des Preisrückgangs trübe die Umsatzaussichten für Schokoladenhersteller wie Lindt. Roux glaubt, dass Lindt möglicherweise in den Einzelhandelspreis reinvestieren müsse, bevor die Pipeline-Kosten sänken, um wettbewerbsfähig zu bleiben - insbesondere in Europa.
Aufschlussreich ist der Vergleich mit der Konkurrenz: In derselben Branchenstudie stuft Morgan Stanley den Schokoladenlieferanten Barry Callebaut gleichzeitig auf «Overweight» hoch und erhöht das Kursziel auf 1600 von 1270 Franken. Lieferanten wie Barry Callebaut dürften durch die Freisetzung von Betriebskapital und Finanzkostenvorteile einen direkteren Nutzen aus den fallenden Kakaopreisen ziehen – und seien damit im aktuellen Umfeld klar im Vorteil gegenüber Herstellern wie Lindt. Dennoch vermag die Einschätzung die Investoren wenig zu überzeugen. Der Aktienkurs von Barry Callebaut pendelt am Dienstagvormittag um die Nulllinie bei 1396 Franken.
Es ist nicht die erste kritische Stimme in jüngster Zeit: Bereits am Freitag hatte die Bank Berenberg in einer Branchenstudie das Rating für den Partizipationsschein von Lindt & Sprüngli auf «Sell» von «Hold» gesenkt und das Kursziel auf 10'877 von 11'450 Franken reduziert. Im Fokus stand dabei ein anderes Risiko: Die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Abnehmmedikamenten könnte das Konsumverhalten belasten und das Schokoladengeschäft unter Druck setzen – insbesondere in Nordamerika, wo Lindt einen bedeutenden Umsatzanteil erzielt. Auch bei Barry Callebaut passte Berenberg das Kursziel leicht auf 1487 von 1500 Franken an, beliess die Einstufung jedoch auf «Hold».
Das skeptische Bild spiegelt sich auch im Analystenkonsens wider. Gemäss Bloomberg-Daten vergeben derzeit fünf Analysten ein «Buy»-Rating, je acht empfehlen «Hold» respektive «Sell». Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 120'589 Franken.
Wie sich der Kakaopreis effektiv auf den Geschäftsgang von Lindt & Sprüngli ausgewirkt hat, wissen die Investoren am 10. März, wenn der Premium-Hersteller seine Zahlen vorlegt. Barry Callebaut wird seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 voraussichtlich Mitte April vorlegen.
(cash/AWP)
