Eine klassische Sektorrotation spielt sich seit Ende Oktober an den globalen Aktienmärkten ab. Die Gewinner der vergangenen Monate, Technologie und diskretionäre Konsumgüter, sind plötzlich die Verlierer. Zu diesem Schluss kommt die Zürcher Kantonalbank in ihrer neuen Marktanalyse vom Dienstag.
Stattdessen stehen konjunktursensitive und geopolitisch relevante Sektoren wie Grundstoffe, Energie und Industrie im Rampenlicht. Auf Stilebene bedeutet dies eine markante Rotation von Growth zu Value, wobei auch Small Caps profitieren.
Der 29. Oktober als Wendepunkt
Als Auslöser dieser Verschiebung macht Felix Jäger, Aktien-Anlagestratege bei der Zürcher Kantonalbank, den 29. Oktober 2025 aus. An diesem Tag senkte die US-Notenbank Fed zwar den Leitzins um 0,25 Prozent, signalisierte jedoch gleichzeitig, dass sie das Tempo künftiger Zinssenkungen drosseln werde.
Zudem wurde am selben Tag der Technologiekonzern Meta für seinen aggressiven Investitionsausblick an der Börse abgestraft, ein zentraler Akteur der KI-Rally. Die Ängste vor einer Technologieblase manifestierten sich damit konkret in den Kursen. Laut einer Fondsmanager-Umfrage der Bank of America wandelte sich das grösste Risiko für den Aktienmarkt innerhalb kürzester Zeit von einer US-Rezession, zur Technologieblase, bevor Anfang des Jahres geopolitische Spannungen zur Hauptsorge wurden.
Geopolitik als neuer Kurstreiber
Durch die US-Intervention in Venezuela sowie Drohungen gegenüber dem Iran und Grönland rückten geopolitische Spannungen Anfang 2026 in den Vordergrund. In diesem Umfeld sind Sektoren wie Grundstoffe, Energie und die Rüstungsindustrie besonders gefragt. Gleichzeitig überraschte die globale Konjunktur mehrheitlich positiv, was diese Sektoren zusätzlich unterstützt. Hinzu kommt, die im Vergleich zum Gesamtmarkt teilweise günstige Bewertung.
Doch die ZKB mahnt vor voreiligen Schlüssen. Eine Sektorrotation, die als Bewertungserholung beginnt, kann sich nur dann mittelfristig fortsetzen, wenn sie sich auch in der Gewinnentwicklung bemerkbar macht. Davon ist bisher jedoch wenig zu sehen.
Die vier stärksten Sektoren der letzten drei Monate weisen allesamt ein unterdurchschnittliches Gewinnwachstum im Vergleich zum Vorjahr auf. Mit Ausnahme des Grundstoffsektors ist bei keinem von ihnen seit Ende Oktober eine merkliche Verbesserung zu beobachten.
Die ZKB betrachtet die aktuelle Sektorrotation daher als zeitlich begrenzte Bewertungserholung einzelner Sektoren und nicht als dauerhafte Wachablösung am Aktienmarkt. Aufgrund seines starken Gewinnmomentums und seines hohen Gewinnrevisionsindex bleibt der Technologiesektor auf globaler Ebene für die kommenden Monate der bevorzugte Sektor der Kantonalbank.
Die aktuelle Bewertungskonvergenz im Vergleich zu den anderen Sektoren dürfte ihn zusätzlich unterstützen. Allerdings muss auch beim Technologiesektor weiterhin mit Volatilität gerechnet werden. Die letzten Monate haben gezeigt, dass der Markt die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sehr genau verfolgt und bei Enttäuschungen mit Kursverlusten reagiert.
(cash)
