In Städten gebe es kaum noch freie Flächen für Überbauungen, sagte Raphael Karlen, Vorstandsmitglied der vor sechs Jahren gegründeten FDP Urban, am Montag in Bern vor Medienvertretern. Aufstocken sei die Lösung, um mehr Wohnraum in Städten zu schaffen und dabei die Grünflächen im städtischen Raum zu bewahren.

Die FDP fordert von den Schweizer Städten, ihre Bau- und Zonenordnung so anzupassen, dass Häuser systematisch einen Stock höher gebaut werden können als heute. Dieses zusätzliche Stockwerk soll zum Wohnen dienen. Ausnahmen - etwa für denkmalgeschützte Gebäude - will die FDP indes ermöglichen.

«Die Stadt in der Stadt bauen», umschrieb die Genfer FDP-Nationalrätin Simone de Montmollin die Forderung nach der Verdichtung nach innen. Verdichtung sei ein altes Mittel: Schon im 16. Jahrhundert seien in Genf die Häuser erhöht worden, um für aus Frankreich geflüchtete Hugenotten Wohnraum zu schaffen.

Aufstockungen seien in Genf dank einem 2008 erlassenen Gesetz schon heute möglich. Auch wenn 150 so ermöglichte neue Wohnungen in Genf pro Jahr wenig schienen: Landesweit könnten es Tausende werden. Die Städte und Kantone seien gefordert, zusätzliche Etagen zu ermöglichen.

In Zürich haben FDP, GLP, SVP und Mitte eine Volksinitiative für Aufstockungen von bestehenden Liegenschaften lanciert. Damit soll kein Anreiz geschaffen werden, Häuser abzubrechen und durch Neubauten mit teureren Wohnungen zu ersetzen. Im Stadtparlament hatte sich die Forderung der vier Parteien nicht durchsetzen können.

Das Verdichten in den Städten helfe, die Zersiedelung zu stoppen, Pendlerbewegungen zu reduzieren und Flächen für die Landwirtschaft zu erhalten, warb de Montmollin für das Anliegen. Und mit den Aufstockungen und Sanierungen könne auch die Energiewende vorangetrieben werden.

(AWP)