Die Währungshüterin Beth Hammack, die am Mittwoch für eine Erhöhung votiert hatte, verwies am Freitag darauf, dass die Inflation seit mehr als fünf Jahren hartnäckig über dem Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent liege. «Und ich bin nicht zuversichtlich, dass sie von selbst zu unserem Zielwert zurückkehren wird», fügte die Chefin des Notenbankbezirks Cleveland hinzu. Ein höherer Leitzins würde aus ihrer Sicht dazu beitragen, die Wirtschaft zu dämpfen und den Inflationsdruck zu verringern. «Ich hätte es vorgezogen, bereits bei unserer jüngsten Sitzung zu handeln, da ich den aktuellen geldpolitischen Kurs nicht als hinreichend restriktiv ansehe.»
In einer eigenen Erklärung äusserte sich auch der Chef des Fed-Bezirks Minneapolis, Neel Kashkari, besorgt über die Inflation. Er vertrat die Ansicht, die Fed hätte die Zinsen am Mittwoch anheben sollen – als ersten Schritt einer ganzen Reihe von Erhöhungen. «Um dem Risiko zu begegnen, dass sich eine hohe Inflation verfestigt, würde ich die Geldpolitik lieber schrittweise straffen, während wir weitere Daten zur Entwicklung von Inflation und Beschäftigung sammeln», schrieb Kashkari.
Am Mittwoch hatte neben Hammack und Kashkari auch die Präsidentin des regionalen Fed-Bezirks Dallas, Lorie Logan, für eine Anhebung des Leitzinses um einen Viertelprozentpunkt gestimmt. Sie erklärte nun, dass die Fed ohne «massvolle Massnahmen in naher Zukunft» nicht in der Lage sein werde, die Inflation wieder auf den Kurs zu ihrem Zwei-Prozent-Ziel zu bringen. Mit neun zu drei Stimmen entschied der Fed-Offenmarktausschuss am Mittwoch jedoch, die Zinsspanne von 3,50 bis 3,75 Prozent beizubehalten.
Schmallippiger Notenbankchef
Fed-Chef Kevin Warsh hatte das Votum der Abweichler als Teil einer von ihm ausdrücklich gewünschten lebhaften Debattenkultur gewürdigt. Doch verwies er auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss nur schmallippig darauf, dass die Abweichler Argumente und Beweggründe für ihr Abstimmungsverhalten selbst erläutern könnten. Warsh blieb nach Einschätzung vieler Experten auch zahlreiche Antworten schuldig, was den weiteren Kurs der Fed im Kampf gegen die Inflation betrifft.«Er hat erneut für sich behalten, wie er über die aktuelle Ausrichtung der Geldpolitik denkt», erläuterte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Dies begründete Warsh damit, dass die Fed ungefilterte Informationen vom Finanzmarkt erhalten wolle. An den Märkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank im September den Leitzins erhöht. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird von Händlern auf 66 Prozent taxiert.
(Reuters)

