Der Krieg mit dem Iran und der daraus resultierende Ölpreisschock sind laut der US-Notenbank Fed zur grössten Bedrohung für die Finanzstabilität geworden.
In dem am Freitag veröffentlichten halbjährlichen Bericht der Zentralbank nannten drei Viertel der Befragten geopolitische Risiken als Hauptsorge. 70 Prozent verwiesen auf den durch den Krieg ausgelösten Ölpreisschock. Ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten könnte in Verbindung mit Rohstoffengpässen und gestörten Lieferketten die Inflation anheizen und das Wirtschaftswachstum bremsen, warnte die Fed. Zudem könnten starke Preisschwankungen an den Energiemärkten zu Belastungen führen. Der Inflationsdruck durch den Energieschock könnte die Zentralbanken zwingen, ihre Geldpolitik trotz eines schwächeren Wirtschaftswachstums zu straffen. Höhere Zinsen und eine steigende Inflation könnten erhebliche Auswirkungen haben und zu sinkenden Vermögenspreisen führen, hiess es in dem Bericht weiter.
Der weltweite Referenzpreis für Rohöl ist seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar um mehr als 50 Prozent gestiegen. Er liegt weiterhin bei über 100 Dollar pro Barrel. Ein Ölschock tauchte in der jüngsten Fed-Umfrage als zweitgrösste Sorge auf, nachdem er im vorherigen Bericht im Herbst noch nicht erwähnt worden war. Die US-Benzinpreise haben den höchsten Stand seit Juli 2022 erreicht und die Inflation wieder angefacht. Sie liegt nun etwa einen Prozentpunkt über dem Ziel der Fed von zwei Prozent. Die Notenbank hatte die Zinsen in der vergangenen Woche unverändert gelassen. Mehrere Vertreter schlossen jedoch weitere Zinserhöhungen nicht aus, sollte die Teuerung weiter steigen.
Neben den geopolitischen Spannungen rückten auch Künstliche Intelligenz (KI) und Privatkredite in den Fokus. Jeweils die Hälfte der Befragten stufte diese Bereiche als potenzielle Bedrohungen ein. Es gebe Bedenken, dass KI-Investitionen zunehmend durch Schulden finanziert würden, was die Anfälligkeit des Finanzsystems erhöhe. Zudem könnte die Technologie den Arbeitsmarkt schwächen. Die Risiken durch Privatkredite stufte die Fed jedoch als begrenzt und beherrschbar ein. Zwar habe die Branche mit einer negativen Stimmung und steigenden Rückgabeforderungen zu kämpfen. Die grössten Unternehmen des Sektors verfügten jedoch über ausreichend Bankkredite und Barmittel, um diese Forderungen zu bedienen. Anhaltende Mittelabflüsse könnten jedoch die Kreditverfügbarkeit für einige Kreditnehmer verringern.
(Reuters)

