Die Gouverneurin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Lisa Cook, hat sich gegen eine weitere baldige Zinssenkung ausgesprochen, solange es keine deutlicheren Beweise für einen Rückgang der Inflation gibt. «Derzeit sehe ich die Risiken eher bei einer höheren Inflation», sagte Cook am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Miami. Sie sei mehr über den ins Stocken geratenen Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung besorgt als über einen schwächelnden Arbeitsmarkt. Die Geldpolitik sei aktuell nur sehr geringfügig restriktiv. Vergangene Woche hatte die Fed nach drei Zinssenkungen in Folge eine Pause eingelegt und den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen.
Cooks Äusserungen erfolgen während erheblicher politischer Spannungen um die US-Notenbank. US-Präsident Donald Trump drängt seit langem auf schnellere und stärkere Zinssenkungen. Er hatte zudem versucht, Cook wegen angeblicher Falschangaben bei Hypothekenanträgen des Amtes zu entheben. Cook wehrt sich dagegen mit einer Klage, die derzeit vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt wird. Der Fall gilt als Grundsatzfrage über den Einfluss des Präsidenten auf die unabhängige Zentralbank. Cook selbst lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab, betonte jedoch, sie werde ihre Pflichten weiter erfüllen.
Der Fortschritt bei der Senkung der Inflation auf das Zwei-Prozent-Ziel der Fed sei auf einem Plateau zum Stillstand gekommen, erklärte Cook weiter. Schätzungen zufolge lag die Teuerung Ende des vergangenen Jahres bei etwa drei Prozent. «Nach fast fünf Jahren mit einer Inflation über dem Zielwert ist es unerlässlich, dass wir unsere Glaubwürdigkeit wahren», sagte sie. Solange sie keine stärkeren Beweise für eine nachhaltige Rückkehr der Inflation zum Zielwert sehe, werde ihr Fokus darauf liegen.
(Reuters)

