Die Sorge vor einer anziehenden Inflation durch den Krieg im Iran treibt die US-Notenbank Fed um. Bei der Zinssitzung Ende April sprach sich eine wachsende Zahl von Währungshütern dafür aus, die Grundlagen für eine ‌mögliche ⁠Zinserhöhung zu schaffen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll hervorgeht. Eine Mehrheit der Fed-Vertreter erklärte auf der Sitzung am 28. ⁠und 29. April, dass eine Straffung der Geldpolitik erforderlich sein könnte, sollte die Inflation anhaltend über dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent bleiben. «Um dieser Möglichkeit ‌Rechnung zu tragen, erklärten viele Teilnehmer, sie hätten es vorgezogen, jene Formulierung aus der ‌Mitteilung nach der Sitzung zu streichen, die eine Neigung zu Zinssenkungen ​bei künftigen Entscheidungen des Ausschusses andeutete», hiess es.

Das Dokument verdeutlicht die Herausforderungen für den künftigen Notenbankchef Kevin Warsh. Er übernimmt ein zunehmend restriktiv eingestelltes Gremium, obwohl US-Präsident Donald Trump, der ihn ernannt hat, deutliche Zinssenkungen fordert. Bei dem letzten Treffen unter der Leitung des scheidenden Fed-Chefs Jerome Powell beliess der Offenmarktausschuss die Zinsen in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Dabei stimmten ‌vier Mitglieder gegen die Entscheidung – so viele wie seit 1992 nicht mehr. Während der von Trump ernannte Notenbanker Stephen Miran, der die Fed am Freitag verlässt, um Platz für Warsh zu machen, erneut für eine Zinssenkung plädierte, sprachen sich drei weitere Mitglieder gegen die ​Beibehaltung der Formulierung aus, die auf eine mögliche künftige Lockerung der Geldpolitik hindeutet.

Als Hauptgrund für die ​restriktivere Haltung nannten die Notenbanker den Inflationsdruck, der durch den von den ​USA und Israel geführten Krieg gegen den Iran verschärft wurde. Der seit fast drei Monaten andauernde Konflikt hat die Ölpreise um mehr als 50 Prozent in ‌die Höhe getrieben. Jüngste Daten zu den Verbraucher- und Erzeugerpreisen zeigen, dass der Preisdruck inzwischen über den Energiesektor hinausgeht. Zudem deuten eine stabile Arbeitslosenquote und ein unerwartet starker Stellenaufbau in den vergangenen zwei Monaten darauf hin, dass der Arbeitsmarkt robust bleibt und keine niedrigeren ​Zinsen ​zur Stützung benötigt.

An den Finanzmärkten schwindet die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Die ⁠Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen, die als Barometer für die Zinserwartungen gilt, stieg ​von knapp unter 3,40 Prozent am ⁠Tag vor den ersten Luftangriffen auf den Iran Ende Februar auf ein 15-Monats-Hoch von zuletzt über 4,10 Prozent. Einer Reuters-Umfrage zufolge ‌rechnet mittlerweile weniger als die Hälfte der befragten Ökonomen mit einer Zinssenkung bis Dezember. Einen Monat zuvor waren es noch zwei Drittel gewesen. Etwa die Hälfte erwartet in diesem Jahr keine Zinsänderung, während einige wenige Experten ‌sogar mindestens eine Zinserhöhung prognostizieren. Warsh wird seine erste Fed-Sitzung am 16. und 17. Juni ​leiten.

Die Veröffentlichung des Protokolls liess die Anleger am Mittwoch weitgehend kalt. Die wichtigsten Indizes an der Wall Street verharrten bei ihrem Plus von jeweils rund einem Prozent. Der Dollar-Index notierte weiterhin leicht schwächer. Gelassen zeigten sich auch die Händler am Anleihe-, Metall- und Kryptomarkt.

(Reuters)