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Felix Brill über Inflation, SNB und Zinswende«Bald wird über das Ende der Negativzinspolitik gesprochen»

Die Inflation zieht überall an: In der Euro-Zone, in den USA und auch in der Schweiz. Im cash-Talk sagt Felix Brill, CEO von Wellershoff & Partners, wie Notenbanken, der Franken und Aktienmärkte darauf reagieren werden.
17.02.2017 06:41
Von Pascal Züger
Felix Brill, CEO von Wellershoff & Partners, im cash-Talk vom 17. Februar 2017.
Bild: cash

Im Januar 2017 betrug die Teuerung in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr 0,3 Prozent. Somit war erstmals seit August 2014 die Inflation hierzulande wieder positiv. Als Vergleich: Im Januar 2016 lag die Teuerung noch bei -1,3 Prozent.

Und ein Anziehen der Inflation ist auch in anderen Ländern beobachtbar: In der Euro-Zone betrug sie im Januar 1,8 Prozent, in den USA gar 2,5 Prozent. Das ist deutlich höher als noch im Jahr 2016 (siehe auch Tabelle).

"Der Sprung bei der Inflation kam überhaupt nicht überraschend", sagt Felix Brill, CEO vom Beratungsunternehmen Wellershoff & Partners, im cash-Talk. Dieser sei auf den rasanten Anstieg der Energiepreise zurückzuführen.

Deutlich zu sehen ist dies beim Rohöl: Ein Barrel der Sorte Brent gab es Anfang 2016 noch für unter 30 Dollar, inzwischen ist der Preis bei 56 Dollar - der Preis hat sich also beinahe verdoppelt.

Die Inflation zieht an

Dass die Teuerung auch künftig deutlich höher als noch 2016 ausfallen wird, zeigt auch folgende Grafik mit der aktuell beobachteten beziehungsweise von Ökonomen erwarteten Inflation bis zum Jahr 2018.

Inflation und erwartete Inflation

*Konsensschätzung gesammelter Prognosen von Ökonomen weltweit; Daten: Consensus Economics, London, und cash.ch.

Nicht ungelegen dürfte diese Entwicklung den Zentralbanken kommen, versuchen sie doch seit Jahren - mit teils unorthodoxen Methoden - die Inflation wieder herbeizuzaubern. Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa startete im März 2015 ein riesiges Kaufprogramm und erwirbt aktuell noch immer bis mindestens Ende 2017 Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro pro Monat.

Wird dieses Programm nun bald überflüssig? "Die EZB hat erst kürzlich angekündigt, dass sie das Kaufprogramm bis Ende Jahr verlängert. Dass sie jetzt davon früher aussteigt, halte ich für unwahrscheinlich", sagt Brill. Zwar sei man weit von Deflationsgefahren entfernt und entwickle sich die Euro-Zone wirtschaftlich erfreulich, doch stünden im Frühjahr noch einige politische Herausforderungen an. Allen voran die Wahlen in Frankreich.

Ende der Negativzinsen in Sicht

Auch in der Schweiz soll die Inflation im Gesamtjahr 2017 positiv sein. Doch noch immer muss die Schweizerische Nationalbank (SNB) gegen den starken Franken ankämpfen: "Die Nationalbank ist in einer sehr schwierigen Lage, der Franken will sich nicht nachhaltig abschwächen", so Brill. Solange sich die EZB nicht bewege, falle der einfache Ausweg für die SNB - sprich eine Abschwächung des Franken ohne Intervention - weg.

Doch Brill, der früher Leiter der Konjunkturanalyse Schweiz bei der UBS war, sieht die Situation derzeit positiv: "Die Ausgangslage ist so gut wie schon lange nicht mehr." Zum einen würden jetzt endlich die Energieeffekte, die die Inflation tief hielten, "rausgewaschen". Darüber hinaus sei auch die Konjunkturentwicklung deutlich besser. "Eigentlich sind die Voraussetzungen sehr gut, dass man nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa über ein Ende der Negativzinspolitik reden wird."

Ein Ende des Negativzinsumfeldes würde sicherlich auch die SNB begrüssen. Denn je länger dieses in der Schweiz anhält, desto grösser werden die Risiken. Selbst SNB-Präsident Thomas Jordan gestand ein, dass diese Politik "unerwünschte Nebenwirkungen" habe, wie er in einer Rede im Oktober 2016 ausführte. Zum einen sei dadurch der geldpolitische Spielraum eingeschränkt, da Menschen vermehrt Bargeld horten würden. Andererseits könne es auch negative Auswirkungen auf die Finanzstabilität haben.

Europa-Aktien sind interessant

Die breit abgestütze wirtschaftliche Erholung lässt nicht nur das Ende der Negativzinsen näher rücken, sondern bringt gemäss Brill auch die Aktienmärkte in eine sehr gute Ausgangslage. Für ihn sind vor allem Aktien in Europa lukrativ, da hier das Aufholpotenzial noch grösser als beispielsweise in den USA sei. Für die Schweiz hingegen ist er zurückhaltender, aufgrund der eher defensiven Sektoren. Das Potenzial bei einem Zinsanstieg sei hierzulande daher begrenzt.

Im cash-Talk sagt Felix Brill ausserdem, wie viele Zinsschritte er in diesem Jahr von der US-Notenbank erwartet, ob die USA bald gar zu hohe Inflation haben wird und welche Rolle Donald Trump dabei spielt.