Nach dem Inkrafttreten der dreitägigen Feuerpause im Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat sich US-Präsident Donald Trump für eine Verlängerung der Waffenruhe ausgesprochen. Er wünsche sich eine deutliche Ausweitung der Waffenruhe, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) vor Journalisten. Zuvor hatten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der Kreml die geplante Aussetzung der Kämpfe bestätigt. Die Waffenruhe solle von Samstag bis Montag gelten und mit dem russischen Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs zusammenfallen, teilte Trump am Freitag auf seiner Online-Plattform Truth Social mit. Am Samstag feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade in Moskau.
Trump: Waffen ruhen und Gefangene ausgetauscht
Die Vereinbarung umfasse die Einstellung aller Kampfhandlungen sowie einen Gefangenenaustausch, bei dem beide Länder jeweils 1000 Inhaftierte übergeben sollen, erklärte Trump. «Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart umkämpften Krieges», sagte der US-Präsident. Es gebe ständige Fortschritte bei den Gesprächen zur Beendigung des Konflikts. Selenskyj bestätigte auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, dass die Einigung durch US-Vermittlung zustande gekommen sei. Zugleich erteilte er in einem ironischen Erlass die «Erlaubnis» für die russische Militärparade am Samstag und erklärte, ukrainische Waffen würden den Roten Platz nicht ins Visier nehmen. Russland hatte zuvor gewarnt, jeder Versuch der Ukraine, die Parade zu stören, werde einen massiven Raketenangriff auf Kiew nach sich ziehen. Der Kreml-Berater Juri Uschakow bestätigte die Zustimmung Moskaus zu Trumps Initiative.
Russland: Nur kleine Parade ohne Waffenschau
Wegen der Gefahr ukrainischer Angriffe veranstaltet Russland am Samstag die kleinste Parade zum «Tag des Sieges» seit Jahren. Mit dem wichtigsten Nationalfeiertag des Landes gedenkt Moskau des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland und der 27 Millionen sowjetischen Opfer, darunter viele Ukrainer. Während die Parade einst dazu diente, Russlands gewaltige Militärmacht samt Interkontinentalraketen zu demonstrieren, rollen in diesem Jahr keine Panzer oder andere militärische Ausrüstung über den Roten Platz. Dennoch marschieren Soldaten auf, Kampfflugzeuge überfliegen den Kreml und Putin wird eine Rede halten. «Im Grossen und Ganzen ist alles wie gewohnt, abgesehen von der Vorführung militärischer Ausrüstung», sagte Kreml-Berater Uschakow.
Vor Beginn der Waffenruhe meldete der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin, dass die Luftverteidigung über einen Zeitraum von sieben Stunden bis Freitagabend ukrainische Drohnen abgefangen habe, die auf die Hauptstadt gesteuert worden seien. Die Regierungen in Moskau und Kiew haben sich in der Vergangenheit wiederholt gegenseitig beschuldigt, einseitig erklärte Feuerpausen gebrochen zu haben. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zunächst einseitig eine zweitägige Waffenruhe für die Feierlichkeiten angeordnet. Kiew hatte dies als unangemessen zurückgewiesen und stattdessen einen unbefristeten Waffenstillstand gefordert.
Friedensgespräche gerieten ins Stocken
Die von den USA vermittelten Friedensgespräche waren in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten. Der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow ist am Donnerstag zu einer Reihe von Treffen mit US-Vertretern in Miami eingetroffen. Die Verhandlungen stecken vor allem wegen der ostukrainischen Region Donezk in einer Sackgasse. Moskau fordert, dass Kiew seine Truppen aus Teilen der Region abzieht, die Russland während des vierjährigen Krieges nicht einnehmen konnte. Die Ukraine lehnt es jedoch ab, Gebiete abzutreten, die sie kontrolliert.
(Reuters)

