Schwindende Hoffnungen auf eine Deeskalation im Iran-Krieg haben am Donnerstag die Zinserwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB) nach oben getrieben. An den Geldmärkten wurde bis zum Jahresende ein Einlagensatz von 2,75 Prozent eingepreist, nach 2,68 Prozent am späten Mittwoch. Derzeit liegt der Satz bei zwei Prozent.
In der Folge beendeten die Renditen von Bundesanleihen ihren dreitägigen Abwärtstrend. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg um 0,03 Prozentpunkte auf 3,03 Prozent. Trotz des Anstiegs steuerten die deutschen Papiere auf den ersten Wochenverlust seit Beginn des Iran-Kriegs zu, nachdem am Wochenanfang noch mit einem schnellen Ende des Konflikts gerechnet worden war.
Hintergrund sind die jüngsten Äusserungen aus den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump hatte in einer Rede an die Nation aggressivere Angriffe auf den Iran angekündigt. Die Regierung in Teheran erklärte ihrerseits, sie werde den Krieg im Nahen Osten fortsetzen, bis die USA und Israel vor einer «dauerhaften Unterwerfung und Kapitulation» stünden. Die seit Anfang März gestiegenen Ölpreise schüren Inflationsängste und damit die Erwartung von Zinserhöhungen durch die EZB und andere Notenbanken.
Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe, die empfindlicher auf Zinserwartungen reagiert, legte um 0,045 Prozentpunkte auf 2,65 Prozent zu. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe stieg um 0,08 Prozentpunkte auf 3,93 Prozent. Der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Papieren betrug damit 0,89 Prozentpunkte. Vor Beginn des Krieges hatte der Abstand bei 0,63 Prozentpunkten gelegen. Der Aufschlag für französische Anleihen gegenüber Bundesanleihen lag bei 0,71 Prozentpunkten, verglichen mit 0,58 Prozentpunkten vor dem Konflikt.
(Reuters)

