Um Regelverstössen auf die Schliche zu kommen, setzen die Behörden verstärkt ‌auf ⁠Künstliche Intelligenz (KI), erklärte die Präsidentin der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, Marlene Amstad. Gemäss der internationalen Polizeiorganisation ⁠Interpol ermögliche KI eine «Industrialisierung von Betrug». Nur mit den richtigen technischen Werkzeugen könnten die Aufseher gegensteuern. Die Banken setzten ‌KI schon seit Jahren ein. «Die eigentliche Revolution findet zunehmend auch ‌auf der Seite der Aufsichtsbehörden statt», so Amstad ​zur Nachrichtenagentur Reuters. Die Finma sei etwa dabei, KI-Anwendungen zu entwickeln, um Insiderhandel aufzudecken und zu verhindern.

Die Finma-Präsidentin leitet innerhalb der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco) eine Arbeitsgruppe, die den Einsatz von KI bei über 130 Aufsichtsbehörden fördert. «Das ist ein Gamechanger», erklärte sie.

Den Behörden gehe es ‌nicht darum, Personal abzubauen, sondern gemeinsam Instrumente zu entwickeln, um die Aufsicht schlagkräftiger zu machen. «Ich bin durchaus zuversichtlich, dass wir mit dem technologischen Fortschritt Schritt halten können», so Amstad. Allerdings reagiere selbst ​eine innovative Aufsicht auf den technologischen Wandel an den Finanzmärkten, anstatt ihm ​voranzugehen.

Die Finma selbst setze KI bereits in mehreren ​Bereichen ein. Dazu gehöre eine Anwendung, um frühzeitig Online-Gerüchte über Banken, Versicherer oder Fonds aufzuspüren. Dies diene als Warnsignal, ‌so Amstad. Danach frage die Finma bei den betroffenen Instituten nach.

Die Schweiz müsse den Zugang zu den fortschrittlichsten KI-Modellen behalten. «Erfahrungen mit Modellen wie 'Mythos' haben Schwachstellen offengelegt», sagte Amstad mit Blick ​auf die neue ​KI des US-Startups Anthropic. Die Weiterentwicklung ⁠des Sprachmodells «Claude» zeichnet sich durch verbesserte Fähigkeiten beim Aufspüren und ​Ausnutzen von Schwachstellen in Computerprogrammen ⁠aus. Anthropic verzichtet daher vorerst auf die Veröffentlichung von «Mythos». Experten befürchten eine Flut von Hackerangriffen ‌mithilfe der Software. Die Bankenbranche gilt mit ihrer zum Teil veralteten IT-Infrastruktur als besonders anfällig für Angriffe durch KI.

Die offengelegten Schwachstellen unterstrichen die mit KI verbundenen ‌operationellen Risiken, erklärte Amstad weiter. «Zugleich wird KI entscheidend dazu beitragen, ​Systeme vor ihrem Einsatz widerstandsfähiger zu machen.» Weil Hacker immer schneller würden, müssten sich die Banken anpassen und Sicherheitslücken rascher schliessen.

(Reuters)