Wer auf sinkende Preise für Langstreckenflüge im Sommer gehofft hat, sieht sich mit einer deutlichen Verteuerung konfrontiert. Ticketpreise auf wichtigen Routen zwischen Asien und Europa sind in diesem Monat laut Alton Aviation Consultancy um bis zu 560 Prozent gestiegen und dürften aufgrund kriegsbedingter Störungen im Persischen Golf bis in den Herbst hinein hoch bleiben.
Für Flüge im Juni liegen die Preise auf sieben stark frequentierten Routen zwischen dem asiatisch-pazifischen Raum und Europa im Schnitt rund 70 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das zeigt eine Analyse von Alton auf Basis von Daten des Analyseunternehmens Cirium und Online-Reiseportalen. Ein Ticket von Sydney nach London kostet derzeit im Durchschnitt mehr als 1500 Dollar und damit etwa doppelt so viel wie vor einem Jahr. In den Preisen enthalten sind Direktflüge, Verbindungen mit einem Zwischenstopp sowie Routen über Drehkreuze im Golf. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Selbst im Oktober dürften die Preise noch etwa 30 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen.
Auch in der Gegenrichtung zeigt sich der Druck: Die Preise von Europa nach Asien sind deutlich gestiegen. Im Juni liegen sie im Jahresvergleich um bis zu 79 Prozent höher, einzelne Langstrecken-Flüge kosten inzwischen fast dreimal so viel wie vor einem Jahr.
Die Störungen, die am 28. Februar begannen, als die USA und Israel den Iran angriffen, haben zu rund 70'000 Flugausfällen geführt und die Anfälligkeit der globalen Luftverkehrsnetze offenbart. Luftraumsperrungen, reduzierte Kapazitäten an den Drehkreuzen am Golf und steigende Treibstoffkosten haben gemeinsam zu höheren Flugpreisen geführt - und werden diese voraussichtlich noch monatelang auf diesem Niveau halten.
Nachfrage rückläufig
Unter Unsicherheit und höheren Preisen beginnt bereits die Nachfrage zu leiden. Sommerbuchungen von Europa in die USA sind laut dem Marktbeobachter Cirium im Jahresvergleich um 15 Prozent gesunken, in die Gegenrichtung um 11 Prozent. Auch Buchungen von Asien nach Europa gehen zurück und liegen 4,4 Prozent unter dem Vorjahr, einschliesslich Verbindungen über den Nahen Osten.
Selbst bei einem baldigen Ende des Konflikts dürfte der Preisdruck anhalten, sagte Bryan Terry, Managing Director bei Alton. «Es würde bis zu drei Monate dauern, bis Preissenkungen entlang der Lieferkette für Kerosin wirken», erklärte er. «Was wir sehen, ist nicht nur ein kurzfristiger Preisschock. Selbst wenn die unmittelbaren Störungen nachlassen, werden längere Flugrouten, knappe Kapazitäten und höhere Treibstoffkosten den Preisdruck über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten.»
Besonders betroffen sind Verbindungen zwischen Asien und Europa, die häufig über Drehkreuze im Nahen Osten wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha führen. Dieser Korridor wickelt laut Daten von Roland Berger normalerweise rund ein Drittel des jährlichen Verkehrs zwischen beiden Regionen ab.
560-Prozent-Sprung
Tickets von Hongkong nach London Heathrow kosten laut Alton Aviation mit Stand 23. März im Schnitt 3318 Dollar, ein Anstieg um 560 Prozent gegenüber dem Vormonat. Flüge von Bangkok nach Frankfurt verteuerten sich um 505 Prozent auf 2870 Dollar.
Auch die klassische «Känguru-Route» zwischen Australien und Grossbritannien ist stark betroffen: Die Preise für Flüge von Sydney nach London sind im selben Zeitraum um 429 Prozent gestiegen. Fluggesellschaften geben die höheren Kosten inzwischen an die Kunden weiter. Kerosin, das etwa ein Drittel der Betriebskosten ausmacht, hat sich parallel zu den Ölpreisen verteuert und schürt Sorgen über mögliche Engpässe.
Airlines wie Air France-KLM, Cathay Pacific Airways und Air New Zealand haben in diesem Monat ihre Treibstoffzuschläge erhöht. «Die Lage ist derzeit sehr unsicher, mit viel Chaos im Reiseverkehr», sagte der unabhängige Reiseanalyst Hanming Li. «Wenn Reisende sehen, dass Flüge gestrichen, verspätet oder gestört sind, überlegen sie genau, ob und wie sie reisen.»
(Bloomberg/cash)
