Der US-Dollar konnte zuletzt gegenüber dem Franken Boden gutmachen und sich über 90 Rappen einpendeln. Das hält die UBS allerdings nicht davon ab, mit einem deutlich tieferen "Greenback" zu rechnen.

Auf Basis der sogenannten Kaufkraftparität kommt die grösste Schweizer Bank gerade einmal auf einen fairen Umrechnungskurs von 77 Rappen für den US-Dollar. Das wiederum läge gut 15 Prozent unter den zuletzt bezahlten Kursen. Bei der Berechnung der Kaufkraftparität wird anhand eines vordefinierten Warenkorbs ein Gleichgewichtskurs zwischen zwei unterschiedlichen Währungen ermittelt. Dabei spielt die Kaufkraft – wie es der Name verrät – eine entscheidende Rolle. Da der Warenkorb unterschiedlich zusammengesetzt sein kann, können die Ergebnisse von Bank und Bank unterschiedlich ausfallen.

Offizielle Dollar-Prognosen oberhalb der Kaufkraftparität

Für gewöhnlich kann sich ein Währungspaar während langen Jahren vom Gleichgewichtskurs nach oben oder nach unten abkoppeln. Über die Zeit nähern sich die Wechselkurse jedoch immer mal wieder von unten oder oben der rechnerischen Kaufkraftparität.

Dass der US-Dollar gegenüber dem Franken schon seit Jahren weit über dem rechnerischen Gleichgewichtskurs liegt, spiegelt sich auch in den offiziellen Devisenprognosen der UBS wider. So rechnen die Währungsstrategen der Grossbank bis Ende Dezember neuerdings mit einem Stand des US-Dollars von 85 (zuvor 84) Rappen. Bis Mitte nächsten Jahres soll der "Greenback" dann sogar auf 83 Rappen fallen. Selbst dann würde er noch immer deutlich über der rechnerischen Kaufkraftparität von 77 Rappen notieren.

Wie die Experten schreiben, sprechen die neusten makroökonomischen Daten aus den USA dafür, dass sich das dortige Wachstum in den kommenden Quartalen deutlich abschwächen wird. Gleichzeitig sei der Inflationsdruck in den USA zurückgegangen, sowohl bei der Gesamtinflation als auch bei der Kernrate.

Auch die künftige Geldpolitik ist für die Währungsstrategen ein zentrales Thema für die weitere Dollar-Entwicklung. Denn während die US-Notenbank die Zinsen noch eine Weile hoch lassen will, nehmen die Märkte erste Leitzinsreduktionen noch in diesem Jahr vorweg. Den Experten zufolge spricht auch die Funktion des Frankens als sicherer Hafen in wirtschaftlich oder geopolitisch schwierigen Zeiten für einen tieferen Dollar-Franken-Kurs.

 

Lorenz Burkhalter Redakor Ringier
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