Am Montag fiel der Franken gegenüber dem Euro vorübergehend unter die 90-Rappen-Marke und damit auf den tiefsten Stand überhaupt - abgesehen vom Januartag des Jahres 2015, an dem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von 1,20 Franken gegenüber dem Euro aufgab.

Seither hat sich der Euro ein Stück weit erholt. Laut Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, hat die SNB den Euro wahrscheinlich gestützt, indem sie Franken verkauft hat.

«Die Verkäufe von Franken laufen wahrscheinlich schon», sagte Junius gegenüber Bloomberg. «Die SNB hat sich schon verbal eingemischt. Um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, muss sie nun Taten folgen lassen.» Die SNB betonte letzte Woche eine erhöhte Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt.

Junius schätzt, dass der Franken derzeit um 6 Prozent überbewertet ist, betont aber, dass «nicht nur das Ausmass der Überbewertung, sondern auch die Geschwindigkeit der Aufwertung die SNB beunruhigen sollte».

Die Schweizer Währung hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro um mehr als 3 Prozent zugelegt und durch die Gewalteskalation im Nahen Osten zusätzlich Auftrieb erhalten. Solche Kursgewinne belasten Exporteure und dämpfen die Inflation, die ohnehin nahe null liegt. 

Interventionen am Devisenmarkt sind für die SNB derzeit heikel. Wiederholt wurde sie von den Vereinigten Staaten als Währungsmanipulatorin hingestellt, zuletzt im Januar. Dagegen hat sich die SNB immer wieder verteidigt. Die Nationalbank halte sich Devisenmarkteingriffe nur deswegen offen, um die Inflation im Rahmen der Preisstabilität zu halten, liessen die Währungshüter jeweils wissen.

Reto Zanettin
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