Im Vergleich zu den Vorjahren mit Wechselkursbewegungen von 10 und mehr Prozent halten sich die Verschiebungen am Devisenmarkt 2026 in engeren Grenzen. Als grösste Gewinner gegenüber dem Franken entpuppen sich der kolumbianische Peso (12 Prozent), der ungarische Forint (6,8 Prozent), der australische Dollar (4,5 Prozent) und der US-Dollar (1,2 Prozent). Der Schweizer Franken hat sich dagegen gegenüber der türkischen Lira (7,5 Prozent), der schwedischen Krone (3,7 Prozent), dem Euro (1,8 Prozent) oder dem kanadischen Dollar (1,6 Prozent) aufgewertet.

Die Eurozone ist für Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor die wichtigste Reisedestination. Da zeichnet sich eine weitere Verbesserung an der Währungsfront ab. Gegenüber der europäischen Einheitswährung hatte sich der Franken über die letzten vier Jahre kontinuierlich aufgewertet. Zu Beginn der Reisezeit im Juli 2023 stand der Euro zum Franken bei 0,97 Franken. Ein Jahr später notierte die Einheitswährung noch bei 0,95 Franken, ehe es von Juli 2025 mit 0,93 auf 0,92 Franken zurückging.

Allerdings heisst das nicht, dass nun Reisen in Europa per se günstiger geworden sind. Die Wechselkursveränderungen sind aber nur ein Faktor. Einen wesentlichen Einfluss hat auch die Teuerung. Deshalb wird zwischen nominalen und realen Wechselkursen unterschieden. Der nominale Wechselkurs ist das direkte Umtauschverhältnis zweier Währungen - zum Beispiel: Wie viele Euros gibt es für einen Franken. Der reale Wechselkurs hingegen misst die tatsächliche Kaufkraft. Er setzt die Preisniveaus beider Länder ins Verhältnis und zeigt, wie viele Güter Reisende im Ausland für den Gegenwert eines inländischen Korbes erhalten.

Die Ferienpreise haben sich seit der Pandemie mit den nachfolgenden Preisschocks sehr unterschiedlich entwickelt. Die Schweiz verzeichnete seit 2019 mit 11 Prozent die mit Abstand niedrigsten Steigerungen, gegenüber im Durchschnitt über 25 Prozent in der Eurozone, erklärt Alexander Koch, Ökonom von Raiffeisen, gegenüber cash.ch. Insofern sei der Urlaub für Schweizer im Ausland nicht unbedingt teuer geworden, weil der Franken währenddessen weiter an Wert gewonnen hatte. «In Spanien, Frankreich oder vor allem Norwegen ist Urlaub damit in den vergangenen Jahren sogar erschwinglicher geworden», sagt Koch von Raiffeisen. 

Teuerung gibt konkretere Aufschlüsse

Ein Blick auf die Teuerungsraten zeigt für die Schweiz per Ende Juni eine Jahresteuerung von 0,5 Prozent. Dagegen liegt die Teuerung in der Eurozone bei 2,8 Prozent, wobei die Entwicklung nicht heterogen ist. Die höchsten Inflationsraten in der Eurozone verzeichneten Litauen (5,5 Prozent), Bulgarien (5,3 Prozent) und Kroatien (4,2 Prozent). Die niedrigsten Anstiege des Preisniveaus gab es in Malta (1,9 Prozent) sowie in Estland und Frankreich (beide 2,0 Prozent).

Neben der Teuerung und dem Wechselkurs spielt das allgemeine Preisniveau ebenfalls eine Rolle. In den Ländern mit den stärksten Preisanstiegen, wie Österreich und Kroatien, ist das vergleichende Preisniveau nur begrenzt gestiegen. Insofern bleibt der Urlaub für Schweizer in diesen Ländern weiterhin erschwinglich. In Europa ist lediglich Island teurer als die Schweiz und ist im letzten Jahr sogar noch etwas teurer geworden, so Koch von Raiffeisen.

Der jüngste Energiepreisschub lässt die Preise ausserhalb der Schweiz einmal mehr kräftiger steigen. In Spanien, Griechenland und Kroatien fällt der Anstieg der Urlaubspreise im Jahresvergleich derzeit deutlich höher aus als die Aufwertung des Franken. Gegenüber allen unseren direkten Nachbarn zeigt sich die Kaufkraft seit Kriegsbeginn hingegen stabil.

Da geht es ganz günstig

Punkto Kaufkraft ist die Türkei weiterhin vor Portugal und Spanien das günstigste Reiseziel unter den wichtigsten Tourismusdestinationen in Europa. Die hohe Teuerung und der Währungszerfall haben die Türkei insgesamt aber weniger attraktiv gemacht. Betrug der Vorsprung gegenüber Portugal vor Jahresfrist noch 10 Prozent, ist dieser auf 2 Prozent zusammengeschrumpft. 

Die Teuerungsrate lag in der Türkei im Juni bei 32 Prozent und auf annualisierter Basis bei 24 Prozent. Die Analysten der Commerzbank erwarten denn auch keine Besserung in den nächsten Monaten. Die aktuellen Teuerungsraten dürften sich als vorübergehender Tiefstand erweisen, bevor die monatliche Inflationsrate wieder ansteigt. Schliesslich befänden wir uns gerade erst im Abklingen eines globalen Energiepreisanstiegs, und die monatliche Inflationsrate war in den Vormonaten stark gestiegen. Letztlich ist eine Veränderungsrate von circa 2 Prozent jedoch unvereinbar mit einem glaubwürdigen Weg zu einer einstelligen Inflationsrate, geschweige denn mit dem langfristigen Inflationsziel der Zentralbank von 5 Prozent, so die Commerzbank-Ökonomen weiter.

Der Iran-Konflikt hat erhebliche Auswirkungen auf den globalen Tourismus, nicht zuletzt wegen der Drehkreuzfunktion der Flughäfen in der Golfregion. In die Schweiz kommen deshalb seit März viel weniger Gäste aus dem Nahen Osten und auch Asien, die Zahlen bei Logiernächten in Schweizer Hotels sind rückläufig. Deshalb dürfte das eine oder andere Schnäppchen am hiesigen Markt zu finden sein.

Ferien in der Schweiz und in anderen süd- und westeuropäischen Ländern sind insgesamt attraktiver geworden, auch wenn Portugal in Bezug auf das Preis-/Leistungsverhältnis wohl die attraktivste Touristendestination in Europa bleibt.  

Thomas Daniel Marti
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